Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 7-8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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10S nachher begnadigten Rechtskonsulenten Rödinger, Tafel, Wagner und Kübel von der Regierung angefochten wurde, um der Opposition diese Stimmen zu entziehen, schrieb Mayer eine Abhandlung, in welcher er nachwies, daß die Beanstandeten durch die Begnadigung in den vollen Genuß der bürgerlichen Rechte eingesetzt seien, und daß ihre Wahl vom rechtlichen Standpunkt aus also nicht angefochten werden könne. Diese muthige Vertheidigung machte damals großen Eindruck, und obgleich schließlich eine kleine Majorität der Kammer gegen den Eintritt der Beanstandeten entschied, so war doch ihr Recht durch Mayer klar nachgewiesen. In den Jahren 1849 und 1850 war Mayer mit seinem Freunde Schräder eifriges Mitglied des vaterländischen Vereins, welcher das konstitutionelle monarchische Prinzip gegen die unter der Tübinger Bürgerschaft sehr verbreitete demokratische Richtung vertrat; er erschien auch als Abgeordneter jenes Vereins auf einer Plochinger Versammlung. In späteren Jahren nahm er an den politischen Angelegenheiten keinen thätigen Antheil mehr, überhaupt konzentrirten sich seine Interessen immer ausschließlicher auf das religiöse Gebiet und seine nächste Berufsthätigkeit. Geselligen Verkehr hatte er, abgesehen von Spaziergängen mit seinem Kollegen Schräder, eigentlich gar keinen. Nur in den Ferien vergönnte er sich kleine Reisen, deren Ziel früher das Haus seines Freundes Reinfelder in Buoch und Grünbach, später das eines Verwandten, des israelitischen Lehrers Elsässer in Jebenhausen, war. Auch pflegte er bei der jährlichen Zusammenkunft von Universitäts- Freunden in Göppingen sich einzufinden. Die Prälaten v. Kapff und Stirm wohnten, wenn sie zu den theologischen Prüfungen kamen, bei ihm. Der spätere Berliner Hofprediger W. Hoffmann war als Ephorus in Tübingen sein nächster Freund, und wenn er in die schwäbische Heimath kam, widmete er Mayer seine meiste Zeit. Er wollte ihn nach Berlin gerufen sehen, aber Mayer mochte nicht dahin gehen. Hoffmanns Söhne gingen während der Studienzeit bei ihm ein und aus, und überhaupt fanden in seinem Hause strebsame Studenten Aufnahme und Unterstützung. Je geringer der Aufwand war, welchen ihm die geselligen Bedürfnisse verursachten, desto mehr verwendete er auf Leistungen der Wohlthätigkeit. Die Erinnerung an seine eigenen früheren Sorgen um den Lebensunterhalt und das Dankgefühl dafür, daß