Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554906-2554911--08235-2564258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

103 probeweise zu übernehmen. Er übersiedelte nun als besoldeter Privatdozent mit dem speziellen Lehrauftrag für römisches Recht nach Tübingen. Seine Vorlesungen, aus die er sich mit großer Sorgfalt vorbereitete und die er ohne Manuscript in freiem Vortrag hielt, wurden als sehr gründlich und inhaltreich geschützt, dagegen waren sie nicht geeignet, bei denjenigen, die kein Interesse für den Inhalt mitbrachten, dasselbe zu wecken und anzuregen, auch wurde durch die Eintönigkeit seines Vortrages das Aufmerken etwas erschwert. Privatim war er für die Studirenden sehr zugänglich. Da er selten des Abends ausging, war es ihm willkommen, wenn Studirende ihn zu dieser Zeit besuchten. Nicht blos Juristen machten von dieser Erlaubnis Gebrauch, sondern auch Theologen, mit denen er sich gern über theologische und philosophische Fragen unterhielt. Nicht selten beschämte er die jungen Theologen mit seiner Bibelkenntniß, auch mit der neueren Entwickelung der dogmatischen Theologie war er vertraut; namentlich hatte er sich mit dem Schleiermacher'schen System sehr beschäftigt. Im Jahre 1831 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt, und als Wächter 1833 nach Leipzig berufen wurde, war er neben Schräder der Hauptvertreter des römischen Rechts. Die Frage des Uebertritts zum Christenthum, beschäftigte ihn um diese Zeit auf's Neue; er stand mit seiner Ueberzeugung auf dem Boden des Christenthums, aber seine Ansichten stimmten noch keineswegs mit der Kirchenlehre und den symbolischen Büchern überein; ein von ihm verfaßtes Glaubensbekenntniß, das er seinen Freunden, Prälat Flatt und Klaiber, privatim mittheilte, schien diesen nicht ganz genügend, eine allgemeine Erklärung der Uebereinstimmung mit den symbolischen Büchern entsprach seiner gewissenhaften Wahrheitsliebe nicht. Dazu kam die Rücksicht auf Vorstellungen und Bitten seiner jüdischen Verwandten, namentlich war es ein würdiger Oheim, der israelitische Schulmeister Baruch Elsässer, der lange mit ihm über diese Frage im Briefwechsel stand und Alles aufbot, um ihn von dem Uebertritt abzuhalten. Ihn selbst beängstigte der Zweifel, ob nicht die Rücksicht auf den äußeren Vortheil ihm das Nützliche als Pflicht erscheinen lasse. Diese inneren Kämpfe griffen ihn so an, daß seine Gesundheit Noth litt und er in eine Nervenaufregung und Abspannung gerieth, die ihn zur Arbeit unfähig machte und ihn nöthigte, den Winter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.