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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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101 Philosophie beschäftigte er sich viel. Am geselligen Leben der Studirenden nahm er nur wenig Antheil, schon weil seine ökonomischen Verhältnisse ihm die strengste Sparsamkeit zur Pflicht machten; doch stand er mit vielen Einzelnen in freundschaftlichem Verkehr, namentlich mit Mitgliedern, der damaligen Burschenschaft. Von den Universitätslehrern zog ihn besonders Schräder an, mit dem er von der Studienzeit an immer in freundlichem Verkehre blieb und später als Kollege durch innige Freundschaft verbunden war. Außer Schräder lehrten damals Malblanc, I. Christ. Majer, Christ. Gottl. Gmelin. Auch bei K. G. Wächter, dem späteren Kanzler der Universität, mit dem er als Studiengenosse befreundet war, hörte er noch eine Vorlesung. Während seines Aufenthalts auf der Universität wohnte er mehrere Jahre bei Prof. Bahnmaier, mit dem er bis zu dessen Tode in freundschaftlichen Verhältnissen blieb. Nachdem er seine Studien vollendet und seine Prüfung mit Auszeichnung bestanden hatte, ließ ihm der Justizminister von Maueler das Anerbieten machen, ihn sogleich im Staatsdienste zu verwenden, wenn er zum Christenthum übergetreten sein werde. Daß er dazu nicht abgeneigt sei, konnte man voraussetzen, da er sich nicht nur von den jüdischen Anschauungen und Gebräuchen losgemacht, christliche Bildung sich angeeignet hatte, hauptsächlich in christlichen Lebenskreisen sich bewegte, sondern auch für religiöse Fragen sich lebhaft interessirte. Aber eine eigentliche christliche Ueberzeugung hatte er noch nicht gewonnen, sein religiöser Standpunkt war ein deistisch-rationalistischer, und bei seiner großen Gewissenhaftigkeit schien ihm ein blvs äußerlicher Uebertritt um des besseren Fortkommens willen ein unverantwortliches Unrecht. Er zog es daher vor, auf den Staatsdienst zu verzichten, und da die Gesetze dem Juden zu jener Zeit auch nicht einmal gestatteten, als Rechtsanwalt aufzutreten, begnügte er sich, unter fremdem Namen die Advokatenpraxis zu treiben. Der damalige Präsident der Abgeordnetenkammer, vr. Weishaar, war es, der ihn mit seinem Namen deckte; auch von anderen Stuttgarter Advokaten übernahm er hin und wieder die Führung der Prozesse. Daneben suchte er sich auch in seiner Wissenschaft auf dem Laufenden zu erhalten, um so mehr, da er eine akademische Laufbahn als Ziel seines Strebens im Auge behielt. Seine äußeren Verhältnisse waren sehr beschränkt, der Ertrag seiner mit manchen Schwierigkeiten verbundenen

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