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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 7-8 (1884) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
7-8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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98 Alexander Elsässer, war im Elsaß geboren, hatte seine Studien in Metz gemacht, war dann später auf gelehrte Reisen gegangen und in Prag, wo der nachher berühmt gewordene jüdische Gelehrte Ezechiel Landau sein Mitschüler war, in die talmudische Weisheit eingeweiht worden. Er bewahrte auch in seiner bescheidenen Stellung in Freudenthal ein höheres Streben. Bei der Geburt des Enkels schrieb der Großvater in hebräischer Sprache in seine Bibel: »Am 21. Adar 5556 wurde mit Gottes Hilfe mein Enkel Marum, Sohn des Samuel und meiner Tochter Pesla, geboren. Der Heilige, gelobt sei er, hat mich begnadigt, daß er nach 8 Tagen auf meinem Schooß in den Bund Abrahams ausgenommen wurde. Gott verleihe mir und meiner Gattin, daß wir von ihm Kinder und Kindeskindcr sehn, die sich mit der heiligen Thora beschäftigen. Vater und Mutter mögen ihn freudig erziehen zur Thora, zu guten Werken und ihn unter den Trauhimmel führen, mich aber möge Gott stärken, ihn zu unterrichten in der Gotteslehre nach dem Willen Gottes. Gepriesen sei sein Name in der Thora und Kabbala zur Ehre Gottes!« Da der Enkel schon frühe hervorragende Begabung zeigte, so beschäftigte sich der Großvater gern und viel mit ihm und führte ihn in die Kenntniß des Alten Testaments und des Talmud ein, wobei dem jungen Mayer sein außerordentliches Gedächtniß zu statten kam. Schon als zehnjähriger Knabe konnte er den ganzen Psalter in der Ursprache mit der deutschen Uebersetzung Mendelssohns auswendig und konnte größere Stellen aus der hebräischen Bibel ohne Anstoß hersagen, wenn ihm die Anfangsworte gesagt wurden. Der greise Rabbi wollte den Enkel aber nicht blos mit theologischem Wissen nähren, er sorgte auch dafür, daß er bei einem benachbarten Schullehrer Unterricht im Deutschen und in den Anfangsgründen des Lateinischen bekam. Bald genügte aber das, was ihn der Schulmeister von Bönnigheim lehren konnte, nicht mehr, und der damalige Pfarrer in Freudenthal, der nachher als Garnisonprediger in Stuttgart gefeierte Seubert, nahm sich seiner an, lehrte ihn Latein und Griechisch und regte in ihm den Wunsch nach einer wissenschaftlichen Laufbahn an. Aber noch sah er keine Möglichkeit, wie dies Verlangen nach weiterer Ausbildung befriedigt werden könnte, da die Mittel des väterlichen und großväterlichen Hauses kaum für die uöthigsten Lebensbedürfnisse hinreichten.

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