Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1884-01-01 · 5-6 (1884) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
5-6 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2554541-2554906-2554910--08222-2564244
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

91 Güte Gottes bei mir vorübergehen möchte; denn wahrlich, er hat seinen Namen über alle seine Worte hinaus herrlich gemacht. Jene köstliche Wahrheit: »Gott ist die Liebe!« kann nur ein Christ verstehen, und das auch nur unvollkommen: sie ist nur dunkel erkennbar für diejenigen, welche nicht in die klare und herrliche Erscheinung, in das Antlitz des Gesalbten Gottes geblickt haben. Die große Liebe unseres Gottes ist offenbar) daß sie uns reichlich Alles gicbt, uns zu erfreuen, da sic ihre Hand öffnet und Alles, was da lebt, mit Wohlgefallen sättigt. Da er seine schöne Welt für die Menschen herrichtete, da er sie Alles hcrvorbringen ließ, was für ihr Bestehen nöthi^ist, da er manches Andere zu ihrem Wohlsein hinzufügte, wie arm >ist doch eben daher unsere Dankbarkeit für alle diese und unzählige andere Segnungen! Aber wenn wir zu jenem höchsten, wunderbarsten Ausdrucke seiner Liebe kommen: »Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seine.« eingebornen Sohn gab, auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben!«, da sinken alle die übrigen Gedanken von der Güte Gottes neben dieser unaussprechlichen Gabe in nichts zusammen. Das ist das größte von allen Geheimnissen: »Gott ist geoffcnbaret im Fleisch«, in unserer Natur, das redet von einer Verwandtschaft, die uns unendlich über die Engel stellt. Denn zu welchem Engel hat er jemals gesagt: »Du bist mein Sohn!« »Sehet, welch' eine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir sollen Gottes Kinder heißen!« Und der Glaube, welcher in der Liebe thätig ist, kann auf dieses erhabene Vorrecht seine Hände legen und kann diese sichere und gewisse Hoffnung sein eigen nennen. Jetzt, anstatt auf das Christenthum als auf Götzendienst zu blicken, erkenne ich, daß nur ein Christ Gott recht erkennen kann, daß wir allein durch Christum ihn recht anzublicken vermögen. »Das ist das ewige Leben, daß sie dich, daß du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.« Durch diesen neuen und lebendigen Weg lerne ich immer mehr die unendliche Erhabenheit seiner Größe erkennen, die Unbegreiflichkeit seines Wesens, die unbefleckte Reinheit seines Charakters und' seine Alles leitende Güte; ich kann nun völliger begreifen und mit meinem ganzen Herzen in das Lied einstimmen: »Er gedachte unserer Niedrigkeit, denn seine Gnade währet immerdar!« Zugleich verstehe ich die ungemeine Sündlichkeit der Sünde, die ein so entsetzliches Opfer zu unserer Sühnung bedurfte. Und während der Wald vom Libanon und alle seine Thiere unsere Schuld nie versöhnen, oder uns von ihr reinigen könnten, so hat Gott sich selbst ein Lamm zum Brandopfer ersehen, welches nicht allein eine ewige Erlösung für uns erlangt, sondern auch eine ewige Gerechtigkeit herbeigebracht hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.