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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 5-6 (1884) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
5-6 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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90 Was sollte ich thun? Ich fühlte mich durch die Pflicht und die Liebe getrieben, Jesum vor den Menschen in aller Weise zu bekennen, an wen aber sollte ich mich anschließen? Die Kirchlichen sprachen sich sehr heftig gegen die Sektirer aus, und diese gegen Jene; ich war weder.neugierig noch geneigt, dem nachzuforschen, was, wie ich mir zu meiner Beruhigung sagte, nur ein eitler Streit sein könne; und von einer streitenden Kirche, die noch gegen andere als gegen geistliche Feinde kämpfte, hatte ich keine Ahnung. Ich erinnerte mich, wie gerade diese Uneinigkeit mich einst in der Ueberzcugung von der Wahrheit des jüdischen Glaubens bestärkt hatte; ich dachte wieder über die mancherlei Steine des Anstoßes in dem Wege meiner Brüder nach, die gerade durch diese Uneinigkeit hervorgerufen wurden, und beschloß, mich keiner Partei anzuschlicßcn. Mein Herz war für den HErrn offen, und mit seiner Hilfe würde sich, so hoffte ich, mein Glauben am Leben in Christo entfalten. Ich sagte mir auch, daß ich eben dies soviel als möglich zum Thema meiner Gespräche machen wollte und keine Gelegenheit vorübergehen lassen dürfe, Christum vor den Menschen zu bekennen. Später machte cs mich besorgt, ob ich nicht dadurch, daß ich mich allein hielt, ein Uebel geradezu vermehrte, welches ich doch vermeiden wollte. Durch mein Fernbleiben von allen Anderen stünde ich unter der Anklage, daß ich mich selbst allen Anderen vorzöge, und so beschloß ich denn, einer der christlichen Kirchen beizutreten. Deutlicher aber, als ich es gedacht hatte, konnte ich dann auch in Folge mancher Umstände die Hand meines himmlischen Vaters verspüren, der mich durch so manche Schwierigkeiten sicher geführt und es sichtbar vor meine Augen gestellt hat, was seinem Worte am meisten entspräche. Obgleich meine Meinungen in unbedeutenden Dingen mit Anderen nicht völlig Lbereinstimmen mögen, so darf ich doch sagen, daß ich Alle liebe, die in Wahrheit Christum lieben, und durch seine Liebe, die in mein Herz ergossen ist, habe ich ein tiefes Mitleid und bin nun unaufhörlich für die besorgt, welche noch außerhalb des Königreiches unsers großen Messias sind. Je länger ich mit dem Christenthum bekannt werde, desto mehr erkenne ich seine mannigfaltige Schönheit, desto mehr fühle ich mich den zu lieben gezwungen, der mich in den Kreis seines geheiligten Einflusses gebracht hat. Wie oft trage ich das Verlangen, daß die

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