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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 5-6 (1884) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
5-6 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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89 würde, wo der HCrr seine Gegenwart besonders kundthuN werde. Nachdem die Gebete und Schriftverlesungen beendet waren, hörte ich eine nachdrückliche Predigt, die, wie es mir schien, ausdrücklich an mich gerichtet war. Sie handelte über das Wort im Corintherbriefe: »Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur geworden, das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!« Am nächsten Sonntag war ich über einen anderen außerordentlichen Text erstaunt, denn der Spruch der Morgenpredigt, der so besonders auf meine Lage paßte, war Sach. 12, 10: »Sie werden mich ansehen, welchen Jene zerstochen haben, und werden ihn klagen, wie man klaget ein einiges Kind!« Man denke sich mein Erstaunen, als ich diesen merkwürdigen Spruch hörte; denn ich besann mich nicht, denselben jemals gehört zu haben. Eins der vielen Hindernisse der Bekehrung der Juden ist nach meiner Erfahrung dies, daß, da die Gebete und Schriftabschnitte hebräisch gelesen werden, und die meisten das Hebräische doch nicht verstehen, der Inhalt der Schrift bei ihnen entweder völlig verkehrt wird, oder sie sich dem Urtheil ihrer Rabbinen unbedenklich unterwerfen. Denn der HErr hat einen Geist tiefen Schlafes über sie ausgegossen und hat ihre Augen verschlossen, alles ist ihnen geworden, wie die Worte eines versiegelten Buches, welches die Menschen Einem reichen, der gelehrt ist und sprechen: »Lies, ich bitte dich!« (Jes. 29, 10-12. Amos 8, 11. 12.) Ich will bei den Einzelheiten meiner Wanderung nicht verweilen, sondern nur kurz berühren, daß mein Weg durch manche Versuchungen und Hindernisse ging. Ich hatte den Spott der Einen zu ertragen und den Fluch der Anderen. Man hat mir unter Drohungen gerathen und hat mir Rath, der in das Gewand scheinbarer Liebe gekleidet war, gegeben und mir besondere Vorsicht vor meinen Mitmenschen anempfohlen. Ich habe meine Schwäche schmerzlich erfahren müssen und ebenso mein bctrüglichcs Herz, aber unter Allem und durch Alles habe ich es gelernt, mich mit zuversichtlichem und beständigem Vertrauen an die Kraft meines Heilandes zu klammern. »Verlasse mich nicht einen Augenblick, o mein Vater!« das ist mein beständiges Gebet gewesen. Da es so viele verschiedene Sekten gab, betrachtete ich sie mit dem größten Verdacht, indem ich mir natürlich sagte l daß sie nicht alle richtig sein könnten und vielleicht alle falsch wären.

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