Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554906-2554910--08219-2564241- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
88 hatte. Damals wurde es mir offenbar, daß ich auf sicherem Grunde stünde; aber ach, wie groß und schrecklich war die Gefahr, der ich entronnen war! Mein Herz und meine Seele waren zu meinem Erlöser erhoben, der auf seine Wunden wies, als auf den entsetzlichen Preis, den er für meine Erlösung gezahlt hatte. ES gab Einiges im Neuen Testamente, das ich damals nicht begreifen konnte. Ich hatte von Auslegungen der Schrift nichts gehört, erinnerte mich aber, daß »Rath« einer der Namen war, mit denen unser Messias genannt ist; deshalb betete ich zu dem Gott meiner Väter, daß er um seines Vollkommenen willen mich in meiner Rathlosigkeit beratyen wolle. »HErr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!« das war der Geist meines Gebets. Stelle mich allein dar, obwohl unter großer Menge, — denn ich war damals vollkommen einsam, und es gab keinen, dem ich meine besondere Lage vertrauen konnte, — stelle mich dar, wie ich die Seite dieses mir bisher versiegelten Buches aufgeschlagen habe, das jetzt offen vor mir liegt; bedenke, daß von jenem Tage an bis hierher das Licht, welches damals nur auf einen Theil fiel, sich allmählich über das Ganze verbreitet hat, daß ich oft Gelegenheit für die Lösung schwieriger Stellen fand, aber auch unbedingter dem vertraute, dessen Hände allein mich aus der Finsterniß geführt hatten. Ich schaute unendlich über Menschen hinaus, da ich die rechte Lehre empfangen wollte; ich betrachtete mit dem größten Verdacht die Meinungen meiner Mitmenschen, die so seltsam auseinandergingen; ich wurde aber auch meiner außerordentlichen Jrrthumsfähigkeit gewahr und des dringenden Bedürfnisses, Rath zu empfangen. Doch erinnerte ich mich auch an die gnädige Einladung unseres Heilandes: »Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele!« Man bedenke dies alles und dann wird man die Dankbarkeit verstehen, die ich dem HErrn schulde, der mein Gebet erhört hat. Ich habe es selbst lebendig erfahren und kann die Zuverlässigkeit der ermuthigenden Worte des Jesaias bezeugen: »Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst!« Kurz nach meiner Bekehrung war ich bestrebt, ein Gotteshaus zu besuchen, und besuchte die Kapelle, in deren Nähe ich wohnte. Ich mar der Meinung, daß ich an einen Ort kommen