Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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_86_ famen Hinschlachtungen »nd bitteren Verfolgungen meiner Brüder au. Wenn ich darüber nachdachte, darf ich cs dann erst erwähnen, daß ich das Neue Testament mit einem solchen Abscheu und Schrecken betrachtete, daß dies alles Verlangen, dasselbe kennen zu lernen, hinwcgnahm? Niemand konnte mich überzeugen, daß jemals ein Jude aus Ueberzeugnng Christ geworden sei. Ich hätte cs für möglicher gehalten, durch die Luft zu fliegen, als ein Christ zu werden, und hätte ohne Zaudern den qualvollsten Tod vorgezogen, wenn mir nur die Wahl geblieben wäre, ihn zu leiden oder Christ zu werden. Ich denke oft darüber nach, wie allmählich und fast unmerklich ich zu Christo geführt wurde und wie er sich seine Wege wählte, um sich selbst mir in meinen verschiedenen Lagen und Verhältnissen zu offenbaren. Wie wunderbar muß der Uebergang von der Finsterniß zu sofortigem Lichte, wie es bei Paulus geschah, sein! Wie übermannend die Entdeckung, daß Er, zu dessen Verfolgung er sich gewappnet hatte und in dessen Verfolgung er sich auf dem Wege befand, der Messias Gottes sei!. Die plötzliche Entdeckung würde sich zu -mächtig bewiesen haben, wenn er nicht zu gleicher Zeit von jener wunderbaren Liebe getragen worden wäre, die sich ihm offenbarte. Jede Bekehrung ist wunderbar, aber sie wird oft durch eine Mannigfaltigkeit von scheinbar unbedeutenden Umständen hervorgebracht, bis das Licht so lebendig und kräftig wird, wie es einst bei Paulus der Fall war. Ich wohnte in Greenwich im Anfänge des Jahres 1842. Den letzten Sonntag meines Aufenthaltes mußte ich einige Freunde in die Kirche begleiten. Zum ersten Male hörte ich einen Abschnitt aus dem Neuen Testamente verlesen, das 6. Kapitel bei Matthäus war die Morgenlektion. Mit äußerster Verwunderung und Erstaunen, um nicht zu sagen mit Unbehagen, hörte ich dieses Stück aus der Bergpredigt unseres HErrn. Ich war von der Liebe betroffen, die offenbar jeder Spruch athmete, von dem gerechten Urtheil über die Heuchler, von der Betonung, Vorsicht zu üben, aber mein Herz erbebte bei dem einfachen und doch so beredten Appell an unsere Sinne hinsichtlich der Güte und Sorge Gottes gegen seine kleinsten Geschöpfe, und wie sehr wir seiner beständigen Wachsamkeit vertrauen sollten. Ich war in der That erstaunt über die Einfachheit, die Schönheit, über den Trost dieser Stellen,