Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554906-2554910--08216-2564238- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
85 Ruf des HErrn an einen Sohn Abrahams gelangt, aus manchen Ursachen die Wirkungen die nämlichen, wie in dem Falle unseres großen Vorfahren; wir werden gerufen, aus unserem Vaterhause und unserer Freundschaft zu gehen, um unser unbedingtes Vertrauen auf ihn zu setzen, der uns gerufen und seinen Segen versprochen hat. Und während ich meine Brüder der Gefühle halber nicht schelte, welche sic gegen uns hegen, die wir das Christenthum angenommen haben, ist cs auch meine Absicht nicht, die von den Juden beobachteten Gebräuche lächerlich zu machen; denn da sie von ihnen so betrachtet werden, als wären sie Gott wohlgefällig, sollten sie auch vor dem Lächerlichmachen geschützt sein. In einem sehr frühen Alter wurden mein Bruder und ich selbst in der hebräischen Sprache und in der Geschichte unseres Volkes von einem Rabbi unterrichtet, der zu diesem Zwecke meines Vaters Haus besuchte. Ich wohnte diesen Stunden mit meinem ganzen Herzen bei und erinnere mich eines strengen Gebotes meines Lehrers, nie auch nur den Namen Jesu zu nennen, da wir, so oft wir das thätcn, eine Sünde gegen Gott begingen. Da ich dieses Gebot von Einem empfing, dem ich mit Ehrfurcht und Liebe zugethan war, und zu dem ich das Vertrauen hatte, daß er im Gesetze Gottes vollkommen sei, so konnte ich viele Jahre nicht ohne Gewissensbisse und Furcht den verbotenen Namen aussprechen. Dazu fühlte ich mich aber noch weniger veranlaßt, wenn ich mich von meinen Kameraden als Jude verspottet sah, und nicht von ihnen allein, sondern auch von erwachsenen Personen, die sich Christen nannten. Ich dachte damals, daß es nöthig für uns sei, den Fluch zu tragen, den unsere Vorfahren auf sich gezogen hätten und der ihnen von Moses vorausgesagt war; denn die Juden glauben im Allgemeinen, daß die Sünden der Väter an den Kindern heimgesucht werden. Zur nämlichen Zeit war es mir sehr angenehm und tröstlich zu denken, daß, wenn uns der HErr nach seinem Wort im Zorn durch die Welt zerstreut habe, und wir ein Sprüchwort geworden seien, er ebenso in seiner Gnade alle seine herrlichen Verheißungen, die er seinem alten Volke gegeben, erfüllen werde. (Jer. 31, 37.) Meine Abneigung gegen das Christenthum wuchs mit meinem Alter und meiner Erziehung. Da ich mit der Geschichte der Nation bekannter wurde, traf ich überall Erzählungen von grau-