Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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72 obachtung äußerer Gesetze von dem Zorne Gottes nicht errettet «Mß«, sondern durch Christum, den Messias, auf den die Väter geharrt hatten. Er las ihnen Stellen aus dem Alten Testament vor, die von dem Messias und seinem stellvertretenden Leiden reden, und zeigte ihnen, wie Christus uns Sünder dadurch mit Gott versöhnt hat — was nie durch die mosaischen Opfer erlangt werden konnte, welche seit der Zeit, da Christus gekommen und der Tempel in Jerusalem zerstört ist, Gott ein Gräuel sind. Die Priester wurden darüber zornig, schalten und verfluchten ihn als Zeinen Abtrünnigen, der auch Andere zum Abfall verleite. Das Falascha- Volk dagegen hörte ihm zu und bat um Bücher und Traktate. Gebra Heiwot beschreibt ein Falaschafest, das auf einem hohen Berge gehalten wurde. Hunderte von Falaschas, Männer und Frauen, kamen zusammen. Jeder brachte eine Gabe als Opfer mit sich, die zu den Füßen der zahlreich anwesenden Priester gelegt wurden. Die Kommenden trugen alle einen Stein auf dem Nacken*) und riefen: O Gott, erbarme Dich über uns! Eiohe, Elohe, gnädiger Gott, vergieb uns! Auf Veranlassung der Priester las Gebra Heiwot etliche Kapitel dem Volke vor (aus den äthiopischen fünf Büchern MosiS). Das Gelesene wurde Satz für Satz von einem Priester in die dem Volk verständliche amharische Sprache übersetzt. Nachdem das vorüber war, bat der Missionar, sie möchten ihm für kurze Zeit zuhören. Aus der amharischen Bibel las er nun eine messianifche Stelle um die andere vor und predigte den Hunderten von Falascha Christum, den Gekreuzigten. Jetzt wurden die Priester seine Gegner, disputirten, nöthigten ihn zuletzt, den Ort zu verlassen und beschworen ihn, nie wieder zu kommen. Eine Anzahl Falascha folgte ihm, hörten seiner Predigt zu und waren dankbar für die Traktate, die er ihnen anbot. Sie versprachen, dieselben zu lesen und zu forschen, wer von ihnen ssich auf dem rechten Weg befinde. Nach- *) Eine abessinische Sitte, die oft wiederkehrt. Wenn Zwei sich versöhnen, nimmt der schuldige, einen Stein aus den Nacken, kommt gebückt z» dein Beleidigten und bittet um Vergebung. Mit dem Stein auf dem Nacken will er sagen : Meine Vergehungen find so schwer, daß ich verdient hätte, gesteinigt zu werden. In obigem Fall steht er mit deck Stein ans dem Nacken dem beleidigten Gott gegenüber.