Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 5-6 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Da verließest Du die Heimath, Du wandertest weiter und batest einen römischen Bischof um die Taufe. Jener Prälat ließ Dich prüfen und Dir bald darauf die heilige Taufe erthcilen. Durch einen Karmeliter-Prior hast Du das Sakrament empfangen, und ein Karmeliter-Kloster erschien Dir nun als der schönste Ort auf Erden. Du batest, daß Du in diesen strengen Orden aufgenommen würdest, und man nahm Dich auch als Novizen an. Frohen Herzens tratest Du in das Kloster ein und glaubtest Dich jetzt gleichermaßen im Vorhofe des Paradieses zu befinden. Freilich hattest D» ein hartes Leben zu führen. Du schliefest ip keinem eigentlichen Bett, sonder» auf. einem harten Holzgestell; Du mußtest oft fasten und durftest nie Fleisch essen; D u mußtest Dich selbst geißeln und durftest nur kurze Zeit an jedem Tage ein Wort sprechen. Du mußtest stundenlang aus den Knieen beten, so daß Dir Deine Kniee anschwollen und Du wiederholt auf's Krankenlager geworfen wurdest. Die strenge,, harte Lebensweise griff Dich so an, daß Du hinsiechtest; und doch war es Dir eine Freude, daß Du, wie Du damals fest glaubtest, Dir selbst zu einem guten Theil den Himmel verdienen könntest. Du wandertest, wie Du es heute selbst erkennst, auf falschem Wege, aber damals warst Du stolz.darauf, eigene Heiligkeit Dir erwerben zu können. Christus sollte Dir nicht allein der Weg, dieWahrheit und das Leben sein, sondern Du glaubtest, auch selbst ein gutes Stück dafür thun .zu können, daß Du selig würdest. Dir wurden etliche Heilige der römischen Kirche vorgestellt, an denen Du Makel und Flecken fandest; denen solltest Du nachahmcn und sie Dir zum Beispiele werden lassen. Da sprach Dein Herz: Das thue ich nicht, denn ich bin besser als Jene! Du überhobst Dich in Deinem Herzen, als hättest Du schon eine Stufe der Heiligkeit erreicht, welche Dich auch über manche Heilige der römischen Kirche hinausgesührt hätte. Man hatte Dich in der päpstlichen Kirche zu Christo geführt, aber Dich zugleich auf Irrwege gebracht, welche Dich immer wieder bei ihm vorübergehen ließen. Hier wolltest Du durch Jesum Christum, und dort wieder durch Dich selbst oder durch Heilige, welche Du doch als Sünder gleich Dir erkanntest, das Himmelreich erlangen. . Ein Gefühl in Dir sagte Dir es, daß Du noch nicht völlig ans rechtem Wege wandeltest. 5*.