Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2554541-2554906-2554909--08184-2564205- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Eines Tages warf ich mich auf den Boden und weinte bitterlich vor dem HErrn, ihn bittend, mir Frieden zu geben. Ich flehte ihn an, daß er mir möge zu fühlen geben, was Paulus erfuhr, als er sagte: »Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unfern HErrn Jesum Christum!« (Röm. 5,1.) Lange setzte ich mein Flehen fort, dessen eingedenk, daß Elias, als er auf dem Karmel war, siebenmal aussandte, ehe er die Antwort auf sein Gebet erhielt (1. Kön. 18, 41 ff.), aber noch immer kam kein Friede. Plötzlich kamen mir diese Worte Jesu in den Sinn: »Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen!« (Joh. 16, 24.) Ich kann den Widerwillen nicht beschreiben, den ich fühlte, im Namen Jesu beten zu sollen, und doch sah ich wohl ein, wie unverträglich dieser Widerwille mit dem Glauben ist, daß er der Heiland der Welt ist. Der Kampf, den diese Bewegung hervorbrachte, bleibt mir unvergeßlich. Endlich konnte ich ausrufen: »HErr, ich glaube, daß Jesus der Messias ist, der Erlöser und König Israels, der um unserer Missethat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen worden ist; um Seinetwillen habe Erbarmen mit mir und gib mir Frieden!« Kaum hatte ich dieses Gebet gesprochen, so war meine Last weg, der Friede Gottes, der höher ist denn alle Vernunft, trat in meine Seele ein. Ich fühlte, daß ich von der ewigen Berdammniß erlöst sei, daß Gott mich liebe, daß Christus für mich gestorben sei und mich abgewaschen habe von allen meinen Sünden durch sein eignes Blut, daß ich, so schuldig und sündig ich von Natur war, nun «ohne Verdienst aus seiner Gnade gerecht sei durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist«. (Röm. 3, 24.) Es ist mir wohlbekannt, wie Vieles darin als Enthusiasmus und Thorheit erscheinen wird nicht nur den Juden, sondern auch denen, welche, während sie sich für Christen ausgeben, noch nie die Nothwendigkeit einer radikalen Umänderung im Herzen und in den Neigungen eingesehen haben, die bei jedem Menschen stattfinden muß, bevor er ein Kind Gottes werden kann. Aber die Art und Weise, wie die Schrift von dieser Umänderung spricht, — wiedergeboren, eine neue Kreatur werden — schließt sicher etwas viel Größeres in sich, als nur eine vermehrte Aufmerksamkeit auf die Verrichtung des äußerlichen Gottesdienstes und der Pflichten