Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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35 anfing. Ein Gegenstand, den er in einem Laden kaufte, wurde zufälliger Weise in ein Stück gedruckten Papieres gewickelt, auf welchem er die Worte bemerkte: »Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden« (Matth. 5,4). Diese Worte fesselten seine Aufmerksamkeit; er las weiter, das Uebrige der Bergpredigt. Er hatte nicht die geringste Idee, wer der Verfasser dieser wunderbaren Reden sei, und ahnte nicht, wie bald er das Buch selber antreffen würde, das sie enthielt; aber einige Tage nachher sah er, als er ein Buch ergriff, das im Hause eines Bekannten, wo er Besuch machte, auf dem Tische lag, und die Blätter umwandte, gerade die Stelle, die ihn so sehr interessirt hatte. Er entlehnte das Buch, warf es aber, indem er sich an dem häufigen Vorkommen des Namens Jesu stieß, wiederholt weg, bis er nicht länger widerstehen konnte, es durchzulescn. Der Bericht, den er von seiner eigenen Bekehrung in seinem kleinen Werke, betitelt: »Jüdische Zeugen, daß Jesus der Christ ist«, gibt, zeigt, wie ernsthaft und geduldig er das Neue Testament vom Anfang bis zum Ende studirt hat, indem er es fort und fort mit den Lehren der alttestamentlichen Schriften verglich und mit der größten Sorgfalt jeden Beweis abwog, der sich zu Gunsten seiner göttlichen Autorität darbot. Den Erfolg beschreibt er selber folgendermaßen: „Nach reifer Ueberlegung mußte ich zu dem Schlüsse kommen, daß Jesus der Messias, und daß daö Nene Testament, gleich dem Alten, Gottes Wort ist. Diese Ueberzeugung aber, weit entfernt, Frieden mitzubringen, schien zuerst die Noth meiner Seele zehnfach zu vermehren. All der Haß und all das Vorurtheil, womit ich das Christenthum anzusehen gewöhnt worden war, wurden, anstatt unterdrückt zu werden, wieder in voller Kraft lebendig, und mein Herz bebte mit Abscheu vor dem zurück, von dessen Wahrheit mein Verstand vollständig überzeugt war. Ich will nicht lange bei meinem Gemüthszustand in dieser Zeit verweilen; die, welche ihn erfahren haben, haben es nicht nöthig, daß man ihnen seine Qual schildere, und denen, die ihn nicht erfahren haben, würde die Schilderung unverständlich sein. »Welcher Mensch weiß, was im Menschen ist, ohne der Geist des Menschen, der in ihm ist?« (1. Kor. 2,4.) Das Herz allein kennt seinen Gram.