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Dibre Emeth · 1884-01-01 · 3-4 (1884) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
3-4 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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51 In Strzelno blieben um diese Zeit nur vier jüdische Familien zurück, und eine von ihnen war die des Juda von Strzelno, wie er genannt wurde, gemäß der alten Sitte, die bis zu dieser Zeit unter den Juden gang und gäbe war, nur den ersten Namen zu gebrauchen. Im Frühjahr 1807 war Juda von Hause abwesend, da er in Geschäften nach Warschau gegangen war, und seine Rückkehr verzog sich wegen des schwierigen Reifens so lange, daß seine Frau, Tochter eines berühmten Rabbiners Hillel, wegen ihres Mannes in der größten Angst war. Alle Bewohner der kleinen Stadt waren wirklich um ihr Leben und Eigcnthum in peinlicher Besorgniß; denn die Soldaten hatten ein großes Lagerfeuer in den Straßen angezündet, ganz dicht an den Häusern, und zufällig oder absichtlich wurde eine Kanonenkugel gerade in das Zimmer abgefenert, wo Juda's Frau im Bette lag. Die Kugel ruinirte nicht nur viele Möbel, sondern traf die Wand dicht am obern Theile des Bettes. Unter solchen prüfungsvollen Umständen wurde ihr dritter Sohn, Haim, am 7. April geboren. Höchst sorgfältig und fromm in all den heiligen Gebräuchen der Synagoge auferzogen, und gewöhnt, sich mit den jüdischen Studenten und anderen Gästen zu vereinigen, die an jedem Sabbathtag bei seines Vaters Tafel freigebig bewillkommt wurden, führte der junge Haim, 11 Jahre alt, ein für einen so jungen Knaben kühnes Projekt aus, das die Energie und den Unternehmungsgeist sattsam kennzeichnete, die ihn sein ganzes Leben hindurch auszeichncten. Da er sich nämlich vorgenommen hatte, ein Rabbiner zu werden, so entschloß er sich, seines Vaters Haus zu verlassen und ganz allein nach einer weit entfernten rabbinischen Schule zu reisen, deren Ruf zu ihm gedrungen war; und es ist bemerkenswerth, daß er von dieser' Zeit an nie mehr ganz von seinen Eltern abhängig war. Er legte den größeren Theil des Weges zu Fuß zurück, wurde nach damaliger schöner Sitte unterwegs von den jüdischen Familien, bei denen er einkehrte, gastfreundschaftlich ausgenommen, und bot sogar bei einer Gelegenheit einer ganzen Räuberbande Trotz, indem er ihre Aufmerksamkeit von der kleinen Baarschaft an Geld, die er bei sich führte, dadurch ablenkte, daß er einen derselben um ein Stück Brot bat. So erreichte er den Ort seiner Bestimmung, und nachdem er sich beim präsidircndcn Rabbiner als einer eingeführt hatte, der eine Stelle

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