Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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49 selbst und endete: »Nun, mein lieber F., können Sie Ihre Ohren bei dieser Prophezeiung verschließen? Müssen Sie nicht gestehen, daß dieser große Prophet lange Jahrhunderte vorher den Wandel unseres Erlösers auf Erden, dessen Sanftmuth und Geduld, Verfolgung und Schmach, Marter und bittern Tod so deutlich und umständlich beschrieben hat, als wenn er von dem allen Augenzeuge gewesen wäre? Der HErr lasse sein Wort kräftig werden, und erleuchte Sie mit dem Licht des Lebens.« Betroffen ging ich. Zu Hause schlug ich Jes. 53 im Grundtcxt nach und fand die Uebersetzung richtig. Der HErr Jesus klopfte hier mächtig an mein Herz; ich war betäubt, unruhig, niedergeschlagen und von verschiedenen Gedanken gefoltert. Bald stellte sich mir der tödtliche Stoß vor, den ich meiner alten Mutter durch Umänderung der Religion beibringen würde, bald der Jammer und Gram meiner Blutsfreunde und Bekannten und der ganzen Nation und endlich der Verlust des Unterrichts der hiesigen Judenkinder und die Besorgniß für mein künftiges Fortkommen in der Welt, wenn ich mich zur christlichen Religion wendete. In dieser Gemüthsverfassung brachte ich zwei Monate zu. Ich getraute mich nicht, Jemand meine Noth zu entdecken, warf mich aber dem HErrn zu Füßen und bat ihn, er möchte sich meiner erbarmen, mich seinen Rath zu meinem Heile wissen lassen, meine arme bedrängte Seele trösten und mich zu einer Zeit nicht verlassen, wo ich seiner Hilfe und väterlichen Beistandes am meisten bedürfe. Der HErr erhörte auch wirklich mein Flehen. Er erinnerte mich, wie ich einst in Fulda Mörderhand entgangen war, und rief mir zu: »Stehe auf, sei getrost und nimm dein Joch ans dich!« Ich faßte den Entschluß, ihm allein meine geistlichen und leiblichen Sorgen zu überlassen, eröffnete mein Vorhaben dem Herrn L., der mir weiteren Rath ertheilte, und wurde den 28. Januar 1781 getauft." Bei Fulda war Friedrich in das Haus eines Juden gerathen, bei welchem er Herberge nehmen wollte; durch große innere Unruhe getrieben, verließ er aber das Haus. Er war in der That auch in einer Mörderhöhle gewesen. Der betreffende Jude wurde später wegen vielfacher Mordthaten geviertheilt. Mit großem Ernst erhob sich Friedrich gegen das damals aufgekommene Freidenkerthum und gegen die Aufklärung unter de»