Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Nene Testament zn lesen, und wurde dann je länger je mehr durch die Stiftung der christlichen Kirche, durch die Standhaftigkeit der Apostel in allen Gefahren, Verfolgungen, Martern und Tod überzeugt. Aber ich hatte noch keinen Begriff von den vcrschiedcucn Sekten der christlichen Religion und beschloß vor der Verfolgung nach dem Ermcland (ein Theil der Provinz Preußen) zu gehen. In Frauenburg nahmen mich die Jesuiten mit Freuden auf, und ich erhielt ein schönes Zimmer im Hause eines Bürgers, bei dem ich liebreiche Behandlung genoß. Da sahen mich Juden aus Königsberg und sagten es dort. Der einzige, eben in Königsberg anwesende Bruder kam sogleich nach Frauenburg, warf sich mir zu Füßen und klagte und bat abzustehen; wenn nicht, so sollte ich ihn, er zog hierbei ein großes Messer aus der Tasche, entleiben, damit er nicht die Schande erlebe, seinen Bruder als Christen zu sehen. Bestürzt versprach ich ihm, in meiner Religion zu verharren. Darauf ließ er nicht ab, als bis ich nach Pillau reiste, von wo ich über Stettin nach Frankreich ging, um die französische Sprache zu lernen. Ich blieb auch 19 Monate in Nancy. Dann ging ich zurück, um als Sprachlehrer mir das Brot zu verdienen. Meine Seel: war voller Unruhe, aber ich hatte keine Religion. Ich versuchte an vielen Orten Christ zu werden, aber erreichte meinen Zweck nicht. 1779 kam ich nach Prenzlau und unterrichtete die junge Herrschaft von A. zu B. im Französischen im Hause ihrer Großmutter. Da ich einmal nach dem Unterricht mit Frau v. A. allein im Zimmer war, redete mich die Dame an: »Sie unterrichten schon länger als seit Jahr und Tag mit gutem Erfolge meine Enkel. Ich habe bei Ihnen manches wahrgcuomme», was ich selten bei Leuten Ihrer Nation bemerkt habe. Sie scheinen mir aber aufrichtig und sich über den Aberglauben Ihrer Nation hinweggesetzt zu haben. Wollen Sie sich nicht zur Rettung Ihrer Seele zu dem Gekreuzigten von Nazareth wenden, und ihn als Ihren Heiland, Erretter und Seligmacher erkcnncii, der aus Liebe zu uns armen, sündlichen Menschen sein thcures Blut zur Vergebung unserer Sünde vergossen hat? Denn ohne ihn und außer ihm ist kein Heil zu hoffen. Lesen Sie hier Jes. 53.« Da sie mich betroffen sah, und ich nicht lesen wollte, las sie