Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 3-4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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35 der Austritt aus der Synagoge mit dem Aufgeben der jüdischen Nationalität verbunden. In Palästina steht die Sache anders. Da lebt der Jude in seiner Heimath, und da kann er denn auch, wenn er gleich einer andern als der jüdischen Religion angehört, Glied seines Volkes bleiben. Er wird da nicht von dem Widerspruch hin und her gezogen, hier Jude und dort Angehöriger einer andern Nation zu sein; der Zwiespalt, über den unsere Juden und auch viele unserer Proselyten nicht hinauskommen, ist für sie nicht vorhanden. Nur kommt es darauf an, ob die zum Christcnthum sich bekennenden und die an der Synagoge festhaltcnden Juden im Stande sein werden, auf die Dauer sich als Verwandte und Glieder einer Gemeinschaft anzusehen. Einstweilen haben sich die jüdischen Kolonisten von Artus nicht blos darein gefunden, daß jener Arzt mit seiner Familie zur christlichen Kirche übergetreten ist, sondern sie haben ihn sogar, nachdem dies geschehen ist, in den Ortsvorstand gewählt. DaS ist bezeichnend für die augenblickliche Stimmung unter den Ansiedlern, und sicher wird das Beispiel des einen Volksgenossen manche andere zur Nachfolge reizen. Vorauszusehcn ist jedoch auch, daß, wenn erst Fälle des Religionswechsels in Artus sich mehren, dies zu ernsteren Bewegungen inmitten der kleinen Gemeinde führen wird. »Was dünket dich um Christum?« diese Frage wird dann immer ernster an die Einzelnen treten, und sie wird ihre scheidende Kraft beweisen. Das muß von vornherein in Aussicht genommen werden, daß, je stärker die religiöse Frage die Bewohner von Artus bewegen wird, desto mehr dasselbe entweder den Charakter eines christlichen Gemeinwesens annehmen oder dasselbe sich auflösen wird. Der Ort wird jetzt von 150 Juden bewohnt, iu deren unmittelbarer Nähe etwa noch 50 Araber leben. Vier große Holzgebäude, welche aber mehr Schuppen gleichen, bergen die jüdische Bevölkerung der Kolonie. Die Gebäude sind mit Ziegeldächern versehen und bilden ein großes Viereck. Die Lage ihrer Bewohner ist aber zunächst eine wenig beneidenswerthe und ist im Vergleich zu derjenigen, welche sie in Jerusalem hatten, eine entschieden schlechtere. Jeder Familie ist in dem vorläufig zu ihrer Unterbringung