Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 1-2 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Rast suchenden Heiland von seiner Thür hinweggestoßen hat, bis zur Wiederkunft Christi weiter wandern muß, aber zu Gnaden angenommen versinkt er jetzt nicht mehr unter der Last seines schmerzensreichen Verhängnisses und statt die Menschen zu hassen, liebt er sie fortan. So erscheint er vor dem mit seinem Geschicke hadernden Napoleon I. auf Helena und will ihn reizen, seinen Fußtapfen zu folgen. Der Gedanke Joukosfskhs ist in gewisser Beziehung ein tief christlicher. Das gesammte Erdenlciden wird für denjenigen, welcher die Vergebung und den Frieden in Christo gefunden hat, erträglich und macht ihn desto liebevoller gegen seine Umgebung. Aber ein Leiden, das Jahrhunderte lang währt, geht freilich über jenes Maß hinaus, welches die Schrift mit den Worten bezeichnet: »daß ihr es könnt ertragen«, und ist eine Ueberspannuug des christlichen Lcidensgedankens. Joukoffsky hat jedoch in seinem Ahasver ernstlich über die jüdische Frage nachgcdacht; viel leichter macht cs sich wieder Renans Vortrag „Indenthum und Christenthum", ihre ursprüngliche Identität und allmählige Scheidung. Deutsche Ucbersetzung. Basel. M. Bernheim. 1883. Dieser Vortrag ist in der Gesellschaft für das Studium des Judcnthums zu Paris unter dem Vorsitze von A. Rothschild gehalten. Rsnan, früher ein ausgesprochener Antisemit, ist jetzt ebenso erklärter Philosemit. Nach ihm sind ursprüngliches Christenthum und prophetisches Indenthum eins, aber dies nicht in dem Sinne, wie eS auch die Kirche lehrt, sondern in einem ganz anderen. Das prophetische Indenthum, bei dem er auch wieder die heutige Synagoge angekommen glaubt, ist ihm eine Religion der reinen Moral. Nach Rsnan bedeutet dies eine Religion, für die Gott, wenn überhaupt noch an ihn geglaubt wird, etwas Unwesentliches ist, während die Hauptsache die menschliche Tugendvorstellung und Achnliches bleibt. Was das heutige Judcnthnm betrifft, so hat Renan nicht ganz Unrecht, wenn er von demselben annimmt, daß Gott und der Gottglaube darin das Geringste sei; denn thatsächlich ist bei den Juden dkr Gegenwart in diesem Stück Alles fließend und völlig unbestimmt geworden. Was will aber