Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 1-2 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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29 eine Religion, in der das Fundament völlig schwankend ist? Thatsächlich sind denn auch die Bekenntnisse des großen Judenfreundcs Renan für das heutige Judenthum rechte Armnthszeugnisse. Auch die Schrift Der Antisemitismus von Z. Lippert, herausgcgeben vom deutschen Vereine zur. Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse in Prag Nr. 88, wird, trotz ihrer gute» Meinung für die Juden, denselben nicht besondere Freude machen. Lippert erkennt es nämlich dem Hofprediger Stöcker an, daß derselbe sich aus religiösen Gründen gegen die Juden erhoben habe und seine Feindschaft alsbald einstellen würde, wenn sie Christen würden. Ueberdem aber betont er es, daß sie völlig mit ihrer Umgebung verschmelzen müssen. Der eine Philosemit also, Ronan, sagt den Juden, daß ihre heutige Religion eine Religion sei, in welcher Gott völlige Nebensache sei, und der andere Philosemit, Lippert, kennt keinen Grund, warum die Juden heute noch eine Besonderheit Hilden wollen; Niemand aber selbst unter ihren Freunden glaubt es, daß sie die Streiter für den rechten Gott auf Erden wären. Das sollte den Inden doch Einiges zu denken geben, da sie fortwährend behaupten, daß die Judenschaft nur darum weiter bestehen müsse, weil sie die Welt zur Anerkennung des wahren Gottes führen solle. Endlich aber bietet das Buch Die antisemitische Bewegung in Deutschland von Erich Lehnhardt, Zürich, Verlagsmagazin, 1884, 1,80 Mk., einen guten Ueberblick über den bisherigen Verlauf derselben. Hilfe und Heil erblickt der Verfasser nur darin, daß die Juden sich durch die Ehe mit ihrer Umgebung zu einem Volke verbinden; die Bedeutung der Religion für die Einigung der Menschen ist ihm verborgen. Aber so viel geht freilich aus allem, was er und Freund und Feind der Juden äußern, hervor, daß auf Friede so lange nicht zu rechnen ist, als sie in der bisherigen Weise neben einander leben.