Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 1-2 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 je ab. Früher, so lange man den religiösen Gesichtspunkt für beide Theile festhielt, kannte man allgemein noch ein Mittel, welches eine Versöhnung zwischen den Getrennten herbeizuführen vermöchte; jetzt wird das anders. Die rein natürlichen Verbindungsmittel, mit denen man cs nun ein Jahrhundert hindurch die Geister zusammenzuketten unternommen hat, haben das nicht gcthan. Jene rein natürlichen Gedanken und Erwägungen haben auch rein natürliche Folgen gehabt. Diese natürlichen Folgen aber sind, daß die im Menschen liegende Selbstsucht sich breit gemacht und einen Krieg hin und her entzündet hat. Man räth uns trotzdem von Seiten der Juden und ihres christlichen Anhanges, in der gleichen heillosen Weise weiter fortzugehen, und so den Riß immer weiter reißen zu lassen, bis er unheilbar geworden ist. Man bleibt in anderen weiten christlichen Kreisen gleichfalls bei der rein natürlichen, oder wie man sie auch nennt, humanistischen Anschauung stehn, und schließt von derselben aus auf eine völlige Unmöglichkeit, mit den Juden jemals zum Frieden zu kommen. Dort sieht man nur die Rasse an, und jede Rasse ist ja freilich sündlich, die jüdische aber überall zum Angriffe auf ihre Umgebung und deren Güter geneigt. Kurz, für das Verhältniß der Völker zu den Juden schwindet alle Hoffnung auf ein Besserwerden und bleibt nur noch der Kampf auf Leben und Tod übrig, wenn nichts Anderes als die modernen Ideen ein Recht haben sollen. Ob doch wohl die vielgeschmähte Mission bessere und richtigere Gedanken und Wege in der Judenfrage verfolgt? Sie geht davon aus, daß außer Christo kein Heil zu finden ist; und die rein natürliche Betrachtung verschließt sich ja auch vielfach der Erkenntniß nicht mehr, daß alles, was Menschen bisher aus sich selbst das Heil für Christen und Juden genannt haben, ein solches Heil nicht ist. Aber die Mission kennt nicht bloö dieses Nein, sondern weiß auch von einem Ja, und ihres Herzens Verlangen ist es, daß dieses wahrhaftige und gewisse Heil Juden und Christen in gleicher Weise erleben möchten. Saulus hat einst dieses Heil an sich selbst erfahren, während er vordem durch seine jüdischen Grundsätze in lauter Krieg mit denen, die nicht zu den Seinen gehörten,