Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 1-2 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 Kannibalen darstellt, während die anderen, welche Atheisten sind, den Rassenkrieg gegen die Inden ohne alle Scheu und mit einem wahrhaft fanatischen Hasse predigen. Rohling und Dühring oder Henrici vergiften allerdings zahlreiche Gemüther, aber ihre traurige Gesinnung tritt so offenbar zu Tage, daß sich von ihnen jeder nur irgend gemäßigt Denkende abwendet. Dagegen ist cs wahr, was Erich in seiner Schrift »Der Antisemitismus in Deutschland« sagt, daß die Bewegung wissenschaftlicher wird und sich vertieft. In der That, sie tritt jetzt nicht in so lärmender Weise wie anfangs auf den Markt, aber dafür wird gegenwärtig über das Verhältniß zu den Juden gründlicher nachgedacht, und die Frucht davon ist, daß sich das Bewußtsein des Gegensatzes um so mehr steigert. Bestimmte Erscheinungen des öffentlichen Lebens lassen dies auch deutlich erkennen. Die letzten städtischen Wahlen von Berlin haben in einer für alle Thcile völlig überraschenden Weise den Beweis geliefert, daß die todtgesagte Bewegung gegen die Juden in der Stille gerade eine ungeahnte Ausdehnung gewonnen hat. Denn Niemand täuscht sich darüber, daß es vor Allem der Widerspruch gegen die Juden ist, welcher in der Hauptstadt Deutschlands binnen wenigen Jahren eine Partei geschaffen hat, die, wenn sie in dem gleichen Grade wie bisher zunimmt, noch einmal an die Spitze des städtischen Lebens in Berlin treten könnte. Je klarer man rechtzeitig den Dingen in's Angesicht sicht, desto weniger wird man sich von den Ereignissen überraschen lassen. Die letzten Jahre und ihre Entwicklung geben uns allen Anlaß, aus ihnen auch die Lehre zu ziehen, welche sich uns hier ganz von selbst entgegendrängt. Diese Lehre aber ist die folgende: Es ist vollständig vergeblich, das Evangelium bei Seite zu lassen und dafür Christen und Juden durch Staatsverfassungen, Wissenschaften, gleiche politische Rechte, gleiche Bildung und Unterricht mit einander vereinigen zu wollen. Das gerade Gegentheil ist das letzte Ergebniß aller dieser Versuche. — Wohin sind wir nun damit gekommen, daß wir uns jetzt etwa ein Jahrhundert lang auf diesem Wege die Kluft zwischen Christen und Juden ansznfüllen bemüht haben? Was anfangs sich in gewissem Maße wirklich verbinden zu wollen schien, stößt sich nun heftiger denn