Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1884-01-01 · 1-2 (1884) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
40 (1884)
Issue
1-2 (1884)
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554906-2554908--08133-2564153
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Anhang des früher einsam dastehenden Abgeordneten Jstoczy in Ungarn wächst, dann wird man sich der Furcht nicht verschließen können, daß die bisherigen blutigen Zusammenstöße mit den dortigen Juden nur der geringe Anfang viel schlimmerer sein möchten. Rußland hat auch im vergangenen Jahre wiederholt Aufstände gegen die Inden erlebt, und der Wunsch der Juden, das Niederlassungsrecht im ganzen Reiche zu erhalten, würde, wenn man ihn gewährte, nur die Folge haben, daß sich alsdann die Jndenrevolten verzehnfachten. In Deutschland hat der Ausgang des Prozesses über den Brand der Synagoge von Neustettin wieder einmal die in der großen deutschen Masse gegen die Juden herrschende Stimmung erkennen lassen. Juden in jener Stadt und weithin in ganz Deutschland hatten die Beschuldigung ausgesprochen, daß Antisemiten die Synagoge in Brand gesteckt hätten. Das Schwurgericht hat darauf das Urtheil gefällt, daß vielmehr Juden die schuldige Ursache des Brandes gewesen seien. Ob das Reichsgericht dieses letztere Urtheil aufrecht erhalten wird, mag dahingestellt bleiben; jedesfalls war cs ein frevles Spiel, die Christen aus Feindschaft gegen die Inden als Mordbrenner darzustellen. Man hat sich damit jüdischerseits wieder in einen Gegensatz zu der christlichen Bevölkerung gestellt; und so ist es kein Wunder, daß der Gedanke hierdurch neue Nahrung gewonnen hat, Christen und Juden stünden ein für allemal als zwei feindliche Völker einander gegenüber. Der Neustettiner Synagogenbrand hat in besonderem Maße dazu beigetragen, in Deutschland das Bewußtsein, daß Juden und Christen eine Nation mit einander bilden könnten, zu lockern. Die gegen die Juden gerichtete Bewegung hat auf deutschem Boden im vergangenen Jahre, Gott sei Dank, freilich zu keinem wilden Ausbruche geführt, aber das bedeutet keineswegs ihren Niedergang. Man darf nur die Schriften, welche noch immer über die Judenfrage erscheinen, anschen, um dies sofort zu erkennen. Wir denken hierbei nicht blos an die Schriften von Rohling oder von Dühring und seinem Anhang, von denen der crstcre die Juden, aller Ucberführung durch Professor Delitzsch und Theologen ans seinem eigenen römisch-katholischen Lager ungeachtet, alö blutlcchzendc

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.