Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 40 (1884)
- Issue
- 1-2 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Was ist das Ergebniß davon? Dies, daß es nun überall mit doppelter Entschiedenheit angesichts der Tisza-Eszlarcr Erfahrung ausgesprochen wird: »Die Juden sind und bleiben eine Nation für sich; sie verbinden sich in der ganzen Welt mit einander gegen Jedermann; sie fragen, wenn sich Klagen gegen die Ihrigen erheben, nicht, ob die Anderen damit Recht haben, sondern ergreifen unbesehens für einander Partei.« Jener Prozeß hat in der That eine ungemeine Bedeutung für die Stellung der Juden inmitten der Nationen, unter denen sie wohnen, erlangt. Die Zahl derer in der Christenheit aller Bekenntnisse hat sich seitdem außerordentlich gemehrt, die von der Unmöglichkeit, daß die Juden jemals Oesterreicher, Deutsche, Preußen u. s. w. werden könnten, fest überzeugt sind. Der genannte Vorfall bildet in dieser Beziehung geradcswcgs einen Markstein in der Entwickelung des Verhältnisses der Inden zu ihrer Umgebung. Die Folgezeit wird eö lehren, daß die Anschauung, Juden und Christen könnten jemals eine Nation und durch die Mittel des modernen Völker- oder Staatslebens mit einander vereinigt werden, seitdem einen Todesstoß erhalten hat, von dem sie sich niemals wieder erholen wird, wenn sich auch der Prozeß ihres Dahinschcidens nicht an einem Tage und in einem Jahre vollzieht. Die Ereignisse und täglichen Erfahrungen beweisen dies auch jedem, der sich nicht die Augen gewaltsam verschließt. Ungarn, der Schauplatz des Tisza-Eszlarer Falles, zeigt sich nach der gerichtlichen Erledigung desselben nur noch leidenschaftlicher von der Judcnfrage als zuvor bewegt. Früher erklärten die Juden daselbst, daß allein die von Deutschen und Slaven bewohnten Gegenden des Landes etwas von Feindschaft gegen sie wüßten, nunmehr aber ist ihnen auch dieser Trost zu Schanden geworden; denn die letzten blutigen Krawalle gegen die Juden sind gerade in rein magyarischen Komitaten vorgekommen. Welch' eine judenfeindliche Stimmung im Lande herrscht, zeigte sich auch bei den Bcrathungen über die Civilehe zwischen Juden und Christen. Die Regierung bot im Unter- und Oberhause alle ihre Macht zu Gunsten des Gesetzes auf und wußte auch die Abgeordneten des Unterhauses dadurch cinzuschüchtern; aber trotzdem scheiterte dasselbe zunächst im Obcrhause. Sicht man, mit welcher Schnelligkeit der