Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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183 Rohn. Er machte zwar dem treulosen Betrüger ernste Vorstellungen, allein er zog sich nicht zurück. ■ Er ging wiederholt in seine Hütte; wenn er mit ihm nicht reden konnte, sprach er mit seiner Frau und sorgte dafür, daß diese nicht Noth litt, und jener nicht in die äußerste Verzweiflung gerieth. Endlich gelang es dieser ausdauernden Liebe, das verdüsterte Gemüth zu erhellen. Die Neue erwachte und wurde bald so lebendig, daß daraus eine völlige Aenderung seiner Gesinnungen hervorging. Er konnte nachher nie mehr seiner früher» Geschichte gedenken, ohne die tiefste Rührung und größte Beschämung vor jener unbezwinglichen Liebe seines Wohlthäters. Die Bemühungen dieses Konsistorialraths und die Huld der beiden wohlgesinnten Könige Christian des Sechsten und Friedrich des Fünften bewirkten, daß in jener Zeit eine große Anzahl Neubekchrtcr in Kopenhagen lebte, besonders jüdische Familien, selbst auch Muhammedaner und Heiden. Einige jüdische Proselyten waren selbst zu hohen Ehrenstellen gelangt, die sie treu und zur Ehre des christlichen Glaubens verwalteten. Möchte doch diese thätige Liebe, diese aufopfernde, dienende Hingebung an das Verachtete und Verlassene auch in unserer Zeit allen Christen und insbesondere denen zu Theil werden, die in höheren Aemtern stehen, denen also auch Mittel geboten sind, um das auszuführen, was die Liebe sie heißt. Äus dem Tagelmche des Missionar Hirndes. Ich besuchte den Rabbinen, einen freundlichen jungen Mann, der mich herzlich aufnahm, ins Beth Hammedrasch (die Gelehrtenschulc) führte und dort sich mit mir in ein Gespräch einließ über die Geburt und Abstammung Christi, über die Ursachen, warum die Gelehrten den Heiland in seiner Zeit nicht annahmen und warum sie ihn jetzt noch nicht annehmen. Bei unserer Unterhaltung waren an hundert Menschen, Juden und Christen, gegenwärtig. Ein junger Talmudist, Schüler des Rabbi, brach endlich mit erbittertem Stolz in die Worte aus: Rabbi, wie könnt ihr den Goi (Heiden) so ruhig anhören? Was kann uns der überführen? Steht nicht geschrieben, daß zehn Männervon den Gojim werden einen Juden beim Rockzipfel fassen , und werden sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn Gott ist mit euch!? Da er dies