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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 11-12 (1883) · page 22

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Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
11-12 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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182 beredete sie zur Nachsicht und bewirkte auch durch seine Bitten, daß das Jahrgeld nicht eingezogen wurde. Dies alles that er, weil er das Beste hoffte, nämlich, der unglückliche Flüchtling werde doch wohl noch einmal zurückkehren und solle alsdann nicht durch eine neue verzweiflungsvvlle Lage gehindert werden, den Entschluß der Besserung in Erfüllung zu bringen. Die Liebe hoffte auch nicht vergebens. Einige Jahre verstrichen, in denen der Proselyt in verschiedenen Gegenden sich umhergetricben und Mangel und Elend erfahren hatte. Nun kam er zurück, im Gefühl der schweren Versündigung, die er durch seine Entweichung ans sich geladen hatte. Er wandte sich zuerst wieder an den Mann, den er am meisten betrübt hatte, und fand hier völlige Verzeihung, ja mehr als dies, ein väterliches Herz, eine Theilnahme ohne Gleichen. So groß war die Liebe Rohns, daß er ihm nunmehr das Jahrgeld auszahlte, welches er die Jahre hindurch, wo jener abwesend gewesen, aufgesammelt hatte, und ihm behilflich war, auf's Neue sich, seinem Handwerk angemessen, niederzulassen. Ohne dieses möchte vielleicht die Noth den Proselyten abermals zu dem getrieben haben, wozu ihn vorher eigene Verschuldung gebracht hatte. Nunmehr aber ließ er sich wirklich nieder, trieb sein Handwerk mit Treue, lebte zur Zufriedenheit aller, die ihn kannten, erzog zwei Söhne, welche sich als aufrichtige Christen bewiesen, und diente so zum Beweise, wie viel eine anhaltende Langmuth auszurichten vermag. Noch stärker war die Geduldsprüfung, welche der würdige Geistliche mit einem andern Proselyten zu bestehen hatte. Einem Proselyten, welcher das Schuhmacherhaudwerk erlernt hatte, war ebenfalls von Rohn ein hinlängliches Auskommen ausgewirkt worden. Allein nach einiger Zeit fing auch er an, sich dem Müßiggang hinzugeben und, da nun seine Wirthschaft zurückging, auf alle Arten den gutthätigen Christen beschwerlich zu fallen. Und da er sich nicht mehr in Güte Gaben zu verschaffen wußte, so fing er an, mit Lügen und Schwindeln umzugehen. Ja, die Frechheit stieg am Ende so weit, daß er ein schon getauftes Kind fremder Eltern noch einmal zum Konsistorialrath brachte, nur um das Pathengeld zu erschleichen. Der Betrug wurde noch kurz vor der Taufe entdeckt, und der Unwille der Christen war — und gewiß mit allem Recht — so groß, daß Keiner ferner mehr sich mit dem nichtswürdigcn Menschen einlasscn mochte. Anders verfuhr jedoch

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