Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Kranke zu mir sagte: Was soll ich thuu? Ich bin ein Sünder, was rathcn Sie mir? Ich antwortete mit den Worten aus dem Evangelium Johannis: Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe. Als darauf einige Juden zum zweiten Male in das Haus eintraten, beklagte sich der Kranke über seine» sündlichen Zustand. Die Mutter entgegnete ihm: Warum seufzest du immer über deine Sünden? Ich weiß nicht, daß du je den Sabbath entheiligt, daß du je mit einem Streit gehabt hättest; du hast Niemandem unrecht gethan und bist gegen mich freundlich gewesen; was für Sünden kannst du haben? Meine liebe Mutter, antwortete er, Gott sieht nicht allein auf die äußeren Handlungen, sondern in das Herz, und ich weiß, ich habe den heiligen Geist nöthig. Die Mutter verstand ihn nicht und bemerkte gegen ihre Nachbarn, welche während dieses Zwiegespräches eingetreten waren, daß ihr Sohn verrückt wäre. Ich frug den Kranken, wie er von seiner Sünde Kenntniß erlangt hätte; darauf bekannte er, daß er irgendwo ein Neues Testament aufgelesen und in demselben öfters gelesen habe. Bald darauf starb der Mann und obwohl nicht als getaufter Christ, so doch, wie ich hoffe, an den glaubend, der ihn von den Tobten wieder erwecken kann. In einem andern Falle trat der Kolporteur in Ornutkenh, einem Dorfe am Bosporus, in das Haus eines Juden ein, der im Geheimen das Neue Testament las. Die Schwiegermutter erhob gegen seinen Einlaß Widerspruch, der Schwiegersohn aber antwortete: Seit ich die Bekanntschaft mit Christen gemacht habe, bi» ich ein besserer Mann geworden. Ich kam oft betrunken und streitsüchtig nach Hause, und deshalb solltest du dankbar sein und dafür beten, daß ich ferneren Verkehr mit diesem Kolporteur habe. »Du hast recht«, sagte sie, »aber ich fürchte, die Christen werden dich taufen!« Ich bin kein Christ, lautete die Antwort, aber wenn ich einer werde, werde ich auch ein noch besserer Mensch werden. Der Kolporteur durfte darauf vom HErrn Jesu offen eine und eine halbe Stunde sprechen. Im Geheimen lesen viele Juden der türkischen Hauptstadt und ihrer Umgebung das Neue Testament. Man spricht und disputirt über das Christenthum öffentlich in den Straßen, Bazars, Kaffeehäusern und in den Familien. Der Missionar darf sich nur aus de» Straßen zeigen, so wird er von Juden aufgefordert, seine