Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 gerade 100 Juden durch die Taufe ausgenommen worden, so daß, so weit die Berichte Aufschluß geben, 4110 Taufen von Juden in der Londoner Mission überhaupt bisher geschehen sind. Unter andersartigen Verhältnissen als in Europa arbeitet die Mission in den muhammedanischen Ländern, und derselben soll darum hier auch besonders Erwähnung geschehen. Die jüdische Bevölkerung von Konstantinopel und dessen nächster Umgebung beläuft sich auf über 70 000 Seelen. Nur ein kleiner Theil desselben ist wohlhabend, die übrigen: Arbeiter, Träger und Bootsleute zumeist sehr arm. Die wohlhabenderen, zu denen die Bankiers, Kaufleute u. s. w. gehören, haben beständige Verbindung mit Westeuropa und seiner Bildung. Diese haben die Abgeschmacktheit des Talmud einzusehen und seine Ketten von sich zu schütteln begonnen, aber damit verwerfen sie auch die Bibel und werden gegen jede Religion äußerst gleichgiltig. Die ärmeren Klassen, welche unter dem eisernen Stabe der Rabbinen stehen, sind unwissend, fanatisch und abergläubisch. Doch wird den Armen das Evangelium gepredigt und oft geben diese ihre letzten Piaster hin, um sich Gottes Wort zu verschaffen. Aus dem Verkehre mit den dortigen Juden nun berichtet der eine der Colporteure: Ein jüdischer Bekannter, der krank geworden war, ließ mich einladen, ihn zu besuchen. Als ich in das Haus eintrat, fand ich da einen fanatischen Juden. Der Kranke ergriff eifrig meine Hand und bat mich, neben seinem Bette mich niederzulassen. Der andere Jude ries die Mutter des Kranken herbei und frug sie, warum sie einen Christen zulasse? Sie antwortete, er sei ein Freund ihres Sohnes, und der Umstand, daß ich ein Christ sei, habe nicht viel zu bedeuten. Der Jude gebot ihr dann, mich sofort aus dem Zimmer zu weisen, sonst würde er es der jüdischen Gemeinde melden und die Medizin würde nicht länger für den Kranken verabfolgt werden; stürbe er aber, so würden sie ihn nicht begraben. Der Kranke wollte mich jedoch nicht gehen lassen, sondern wandte sich an den Juden und sagte: Gott ist groß, du magst thun, was du willst. Ich werde eher alles das Meine verkaufen und mir Medizin kaufen, als diesen Mann gehen lassen. Der Jude verließ daraus wuthcntbrannt das Haus, worauf der