Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 welche die Jüdin begleitet hatten, überschüttete dieselbe ihre Tochter mit Vorwürfen und sagte ihr, ihr Elend wäre die Strafe Gottes, der Fluch Jehovahs, denn sie habe den Gott Israels verlassen. »Kehre zurück,« rief sie ihr zu, »und du sollst Hilfe finden!« »Mutter, liebe Mutter,« antwortete die Kranke ruhig, »ich habe Dir still zugehört, denn Du bist meine Mutter, aber um alles Gold der Welt werde ich nicht zurückkehren. Es ist wahr, ich bin arm, aber Armuth ist oft ein Segen. Trotz derselben bin ich glücklich, während ich als Jüdin ohne Frieden war. Jetzt habe ich Frieden und Freude im Glauben. O Mutter, wenn Du nur das Glück der Liebe Jesu sehen könntest!« rief die Tochter der Jüdin zu, aber diese wandte sich mit bitteren Worten von ihr ab und verließ sie voll Zornes. Zwei Schwestern, die Missionar Hefter in Frankfurt a. M. taufte, werden dafür wahrscheinlich ihr großmütterliches Erbtheil verlieren und müssen nun durch Unterricht in englischer und deutscher Sprache sich ihr Brot erwerben. Fälle dieser Art sind aber so häufig, daß sie in der Judenmission gar nicht mehr verwundern. Gewiß gibt es auch eine ganze Zahl schlechter Proselyten, wie es recht viele schlechte Christen unter allen Völkern, den altchristlichen und den erst in neuerer Zeit zur christlichen Kirche übertretenden gibt. Aber die Zahl der Getreuen ist viel größer. In der Missionshalle zu London, CM Montague Street, Whitechapel, findet jährlich ein Gottesdienst bekehrter Juden statt, und bei dieser Gelegenheit kann man sehen, wie groß doch die Zahl solcher Proselyten in London ist, die sich ihres Christenthums von Herzen freuen. Unter denselben hat sich jetzt auch ein Gebetsbund gebildet zur Beförderung der Einigkeit und Gottesfurcht unter den gläubiggewordenen Juden. Professor Cassel, der Missionar und Pastor an der Christuskirche in Berlin, hat ein kleines Institut für Proselytenkinder errichtet, in welchem fünf Kinder Ausnahme gefunden haben, die unter Aufsicht und Pflege einer verwittweten Offiziers- Dame stehen. Professor Cassel durfte voriges Jahr nicht weniger als 16 Juden taufen, in London empfingen 23 das Sakrament, 6 in Hamburg, 6 im persischen Hamadan, 34 in Abessinien, im Ganzen sind durch Londoner Missionare in die christliche Kirche