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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 11-12 (1883) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
11-12 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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168 aus seinem eigenen Buche beweisen kann, das er gerade ebenso für Gottes Wort hält wie wir unfern Tenach (Altes Testament), dann werde ich eine gute That gethan haben. Ich nahm also das Neue Testament und ging zum Rabbi, den bat ich, mir Anweisung zu geben, wie man dasselbe widerlegen könne, und was er vom Neuen Testamente hielte; denn ich hatte die Hoffnung, daß er mir noch mehr Widersprüche in demselben Nachweisen würde. Statt mir aber eine ordentliche Antwort zu geben, wandte er sich ärgerlich von mir und befahl mir streng, das Buch zu verbrennen, indem er bemerkte, daß, wenn ich ein frommer Jude wäre, ich es nicht gewagt haben würde, zu ihm mit so lächerlichen Fragen über ein Buch zu kommen, von dem jeder jüdische Knabe von sieben Jahren wohl wisse, daß es ein Packet von Lügen sei. „Und nun verlassen Sie mich und stören Sie mich nicht weiter," sagte der Rabbi. Diese Behandlung machte mir den Unterschied zwischen Ihrer Bereitwilligkeit, mich zu belehren, und jener rohen Art, mir eine Antwort zu geben, recht fühlbar. Ich beschloß, das Neue Testament wieder zu lesen, und diesmal mit größerer Sorgfalt und Nachdenken. So las ich denn das Evangelium Johannis und hatte jetzt nicht mehr das Vorurtheil, das ich das erste Mal in meinem Herzen unterhielt. Als ich aber das Lukas - Evangelium las, stiegen mit einander streitende Gedanken in mir auf. Eines Tages ging ich zu einem christlichen Buchhändler und bat ihn, mir einige Bücher zu leihen, welche mir dazu behilflich sein könnten, das Wort Gottes zu verstehen. Er händigte mir höflich Starke's Synopsis des Neuen Testamentes ein. Wie anders sind diese Christen als mein Rabbi! dachte ich. Ich nahm das Buch nach Hause, las es, las das Neue Testament, las es und las es wieder und wieder, und je mehr ich es las, desto mehr wurde ich bereit, zu glauben, daß jedes Wort Wahrheit sei. »Hier ist es,« und indem er das Neue Testament aus der Tasche zog, sah ich, daß es voller Bemerkungen von der Hand meines Bekannten war. Er ist jetzt ein fleißiger Kirchbesucher. Ein Jude in Württemberg bekannte dem Missionar Flad, daß er, statt in die Synagoge zu gehen, am Versöhnungstage das Neue Testament lese, und daß er hiervon mehr Nutzen habe. Ein junger Jude in einem christlichen Hospital Süddentschlands fand durch das Lesen des Neuen Testamentes und anderer christlicher

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