Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Inhalt der Anzeige mittheilte. »Welch' ein seltsames Ding,« äußerte er, als ihm die Sache erklärt wurde, »eine christliche Predigt, die ein Judenchrist Christen und Juden halten soll, und in einer christlichen Kirche! Da muß ich hingehen und das mit anhören!« Er that denn auch so. Dem Gottesdienste konnte er natürlich nicht folgen, denn die Sprache war ihm fremd, auch verstand er kein Wort der Predigt; was er aber in sich aufnehmen konnte, das überwältigte ihn. Die aufrichtige Freundlichkeit, mit der man ihm einen Platz anbot, und die große Aufmerksamkeit, welche ihm seine Nachbaren erwiesen, vor allem der Anblick der großen Versammlung, welche die Kirche in allen ihren Theilen erfüllte, die Herzlichkeit der Andacht in dem ganzen Gottesdienste nahmen ihn ganz dahin. Er hatte früher nie etwas AehnlicheS gesehen, und darüber nachdenkend ging er nach Hause. Einige Tage gingen dahin; da stieg ihm der Gedanke auf, er möchte eine Unterredung mit dem Missionar suchen; doch dieser war abgereist, um an einem anderen Orte in ähnlicher Weise zu predigen. Deswegen sprach er bei dem Geistlichen der Kirche vor, und als die Schwierigkeit der Sprache überwunden war, wurde er nach ordentlichem Unterricht in derselben Kirche, in welcher er seinen ersten Eindruck empfangen hatte, getauft. Seine Eltern und Brüder aber sagten sich von ihm los, bis er öffentlich widerrufen würde. Doch hat ihn dies nicht wankend gemacht, und er lebt ohne Roth als ein treuer Christ. Von Neuem aber legt auch das verflossene Missionsjahr seine Zeugnisse von den Wirkungen des Neuen Testamentes ab. Missionar Bachert in Hamburg sagt ganz richtig: Wenn ein Jude selbst ein Neues Testament besitzt, dann kann man auch sicher sein, daß er es liest und seinen Inhalt eifrig studirt, und dies recht oft zum Heil seiner Seele. Ein jüdischer Kaufmann äußerte gegen Bachert: »Ich lese das Neue Testament, das Sie mir vor fünf Monaten gaben, und fand es zuerst meinen Meinungen völlig entgegengesetzt — manches darin konnte ich nicht zusammenreimen, manches schien mir sich selbst zu widersprechen, und manches hielt ich für äußerst abgeschmackt und unglaublich. Ich dachte, wenn ich Herrn Bachert die Falschheit seiner Religion