Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 11-12 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 Scheinbar kommt ihnen dies anch religiös zu gute, denn viele, die vorher am Sonnabend die Läden nicht schlossen, thnn es jetzt, und die früher die Synagoge nicht mehr besuchten, werden jetzt in ihr erblickt. Aber das alles will nicht bedeuten, daß eine religiöse Ncubelebung unter ihnen stattfindet, sondern nur, daß man gewisse Rcligionsübungen als ein Mittel der engeren Verbindung untereinander betrachtet und daß man die Religionsgemeinschaft als Stützpunkt für die Stammesgemeinschaft betrachtet. »Wir müssen«, äußerten z. B. Juden gegen Missionar Pick in Straßburg, »jetzt mehr als früher zusammenhalten; je mehr man uns verfolgt, desto mehr müssen wir uns vereinigen.« Die Thatsache tritt eben immer mehr zu Tage, nicht blos, daß die Juden trotz alles modernen Staatsbürgerthums unter alleu Nationen eine besondere Nation geblieben sind, sondern auch, daß einer immer größeren Zahl von ihnen dies zum Bewußtsein kommt. Die Folgen für die Mission aus diesem Stand der Dinge sind zu einem Theile eine Steigerung der Feindschaft gegen die Verkündiger des Evangeliums. Missionar Arias wollte eines Tages das Judenviertel in Venedig verlassen, als ihm etliche junge Leute in den Weg traten und er sich in einen Laden flüchten mußte, bis sich der angesammelte Haufe zerstreut hatte. Juden und Katholiken verhöhnten ihn, während eine Anzahl von Frauen in drohender Weise Stöcke gegen ihn erhoben. Der Eigenthümer schloß den Laden, in welchen sich der Missionar geflüchtet hatte, und darauf versuchte er, durch ein Fenster in ein Boot zu entkommen, um so auf die andere Seite zu gelangen. Dieses Bemühen war jedoch umsonst, denn der drohende Haufe verschloß wieder den Ausgang, und Arias mußte schließlich durch die Polizei befreit werden, welche ein freundlicher Jude herbeirief. Nach Allem aber hat die ganze Sache nur die Aufmerksamkeit aus den Missionar gelenkt, und seine Bücher sind mehr denn je begehrt worden. Selbst in Russisch-Polen ist nach Mittheilungen von Missionar Ellis eine gesteigerte Feindseligkeit vielfach zu bemerken. Zum Unglück für die Juden nehmen aber viele derselben, wie Ellis gleichzeitig erwähnt, und wie es die Erfahrung in anderen Gegenden auch bestätigt, nur ein desto herausfordernderes Wesen gegen die Christen und das Christenthum an