Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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155 Die gewaltige Juden frage ist in diese Studentenkreise gedrungen und hat dort vielfach das Bewußtsein geweckt, daß dieselbe eine Lebensfrage für Kirchen und Völker ist, die aber nur dann eine friedliche Lösung finden wird, wenn man an sie mit dem Evangelio tritt, und wenn man sie durch das Evangelium zuiu Heile für Christen und Juden zu entwirren trachtet. Die Judenmissionare und Judenmissionsfreunde haben aber besonders aus ihrem Verkehr mit diesen Studenten von der Berliner Conferenz die freudige Zuversicht mitgenommen, daß nun ihre Arbeit nicht länger so vereinzelt und ohne besondere Theilnahme der christlichen Gemeinde geschehen wird, sondern daß sie jetzt die Aussicht hat, mit neuen Kräften und unter Heranziehung ■ viel weiterer Kreise aus dem Christenvolke in die Hand genommen zu werden. Nachdem Gott der HErr selbst die Judenfrage in das allgemeine Leben so mächtig hineingestellt hat, fängt sie an, tiefer in viele Gewissen zu dringen, und beginnt man die Vernachlässigung des Zeugnisses an die Juden als eine der Hauptursachen, warum wir jetzt so schwer unter den antisemitischen und philoscmitischen Wirren leiden und der jüdische Einfluß sich so verderblich weithin geltend macht, zu empfinden. Den I»8titntl8 selbst und manchen anderen wird übrigens die kleine Mittheilung erfreulich sein, daß den Versammlungen des jungen Breslauer Institutum schon zweimal zwei jüdische Rabbiuatökandidaten beigewohnt haben. Aeußcrlich hat sich die Berliner Missions-Conferenz nirgends sehr bemerklich gemacht, aber sie hat Samen für die Zukunft eingestreut, der, das hoffen ihre Theilnehmcr gewiß, gute Früchte bringen wird. Neueres über das Jerusalemer Missionswerk. Der Gedanke an die Anlegung einer jüdischen Kolonie unter christlicher Leitung im heiligen Laude ist daselbst nach wie vor von den Missionaren und ihren Pflegebefohlenen festgehalten worden, aber die Schwierigkeit seiner Ausführung hat, wie erklärlich, vielfache Erregung zur Folge gehabt, die theilweise zu einem Scheitern des Werkes noch vor dem Beginne desselben führen zu wollen schien.