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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 9-10 (1883) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
9-10 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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152 Er sucht sich denselben nun selbst zu erwerben. Er kasteit sich, weint und betet, unterbricht seinen Lebensgang, entsagt für Jahre der Gemeinschaft mit Frau und Kindern, die er zärtlich liebt; er bezeugt auch anderen Juden den Ernst einer rechtschaffenen Buße vor Gott, die er bereits viel innerlicher versteht als seine ganze jüdische Umgebung; er macht sich zum Diener der Barmherzigkeit an Anderen und will zuletzt in der aufopfernden Pstege hilfloser, verlassener Kinder dem Heilande entgehn, welcher sich für ihn geopfert hat. Aber es gelingt ihm damit nicht, das Zeugniß im Innersten zum Schweigen zu bringen, daß sein Heil auf einem ganz anderen Wege kommen muß, und er erstickt nicht mit Gewalt die Stimme der Wahrheit; die Schwäche der Natur, die Liebe zu seiner Familie und zu seinem Stamm, die alte religiöse Gewöhnung und die Autorität der jüdischen Weisen dürfen nicht das Zeugniß des heil. Geistes in ihm übertäuben. Gott geht ihm immer von Neuem nach. Wie er dem auch zu entfliehen sucht, er muß überall das Wort des Evangeliums hören, muß sich immer mächtiger zu Christo hingewiesen sehn. Jetzt nähert er sich Jesu, dann stößt es ihn von demselben wie mit Gewalt zurück; jetzt hört er sich von Gott selbst zu Jesu gerufen, dann meint er für seinen Glauben an ihn von Gott gestraft zu sein. Da wird ihm wie so vielen Frommen des Alten Testamentes im Traume ein Gesicht zu Theil, dessen Anblick fortan ihn überall hin begleitet. Sein Ringen wird jetzt schwächer, er setzt es freilich noch eine Weile fort, aber nur um sich selbst immer wieder bekennen zu müssen, daß es nutzlos sei. Angezogen von Jesu und wieder von ihm durch die alte Liebe zu seinem Volk und dem früheren Glauben zurückgestoßen, sieht er schließlich kein Heil außer in Jesu allein — aller Grund sonst verläßt ihn unter den Füßen. — Doch hat je ein Mensch damit Ernst gemacht, daß nur die Wahrheit ihn besitzen solle, dann war es Hirschlein. Er nimmt auch, nachdem er bereits in Christo den Messias Gottes und seinen Heiland erkannt hat, doch nur Schritt für Schritt und unter unaufhörlicher Prüfung, für die ihm die Schrift allein den Maßstab bietet, die christliche Lehre an. Die Zerrissenheit der Kirche wird ihm da ein ernstes Hinderniß, aber auch dieses Hinderniß überwindet sein Wahrheitssinn, indem er überall als die letzte eigentliche Macht aller Kirchen den lebendigen Jesus Christus erkennt.

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