Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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151 durch Callenberg nach Brandenburg empfohlen, dort unter dem Namen Darnmann getauft wurde. Ebenso erklärte ein Raphael Joseph, der in der Taufe die Namen Johann Ludwig Immanuel Hartmann erhielt und hernach in Berlin französischen Sprachunterricht ertheilte, daß er durch Hirschlcin für das Christenthum gewonnen worden sei. Der bekannte Proselyt Pastor Friedrich Albrecht Augusti hat denselben in Eschwege getauft; Hirschlein hat diesen Geistlichen übrigens auch besucht. Bis in sein 62. Lebensjahr und in sein Greisenalter können wir Hirschlein verfolgen; über seine letzten Schicksale und seinen Tod ist uns nichts bekannt geworden. Die Halleschen Tagebücher nennen uns zwar seinen Wohnort im Jahre 1763, aber mit einer Chiffre, die wir nur dann lösen könnten, wenn uns der sogenannte »Schlüssel für Personen und Orte« des Institutum Judaicum zugänglich wäre. Daß uns hier kein gewöhnlicher Mensch entgegengetreten ist, wird sich wohl Jeder unter den Lesern dieser Mittheilungen selbst gesagt haben. Auf Hirschlein paßt so recht das Wort Christi: »Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.« Nach seiner Neigung wollte er ausschließlich Jude sein und bot wahrhaftig Alles auf, um dem Ruf Christi, der unaufhörlich von Neuem an sein Herz und Gewissen drang, zu entgehn. Eine weiche Natur, windet er sich förmlich, um den Eindruck, daß Christus sein Herr ist, los zu werden, aber dieser Eindruck wird ihm nun doch allgemach zu stark. Der ganze natürliche Widerwille des Juden gegen Jesum lebt in seiner Brust und ist so mächtig, daß er Jahre hindurch immer wieder die Oberhand in ihm gewinnt. Gefühl und Verstand sind zunächst durchaus gegen Jesum gerichtet, und er ist froh, wo er ein Anzeichen gefunden zu haben glaubt, daß Gott es ihm verbietet, zu Jesu und zur Gemeinde desselben zu kommen. Seine Natur verlangt nach ruhigen Tagen, er ist von Hause aus durchaus nicht heroisch angelegt und möchte sich gern selbst schonen. Aber ein tiefes Sehnen nach wahrhaftiger Gemeinschaft mit Gott lebt in ihm, und je länger, desto tiefer lernt er den Riß kennen, den seine Sünde und alle menschliche Sünde zwischen ihm und zwischen jedem Sünder und Gott gerissen hat. Er dürstet nach Frieden mit Gott und immer entschiedener fühlt er es, daß er ohne diesen Frieden nicht glücklich sein kann für Zeit und Ewigkeit.