Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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146 geweint, die zwei Nächte sehr wenig schlafen können. Ich habe Psalm 25, 30, 51 u. 86 gebetet, und mit großem Weinen gesagt: »Weise mir deine Wege«. Ich bin eine Nacht bei Christen gewesen, habe vor Schwachheit ein wenig Wein getrunken und geboten, man solle den Juden nichts sagen, habe aber keine Ruhe in meinem Herzen bekommen. So habe ich mich zu Christen begeben bei Nacht. Die andere bin ich wieder zu Juden gegangen und habe die ganze Nacht mit Weinen und Gebet um ein reines Herz und den rechten Weg in Gegenwart zweier wachender Juden zugebracht.« Dies geschah in Hegenen bei Basel! Endlich ging er nach Basel und meldete sich bei einem Pfarrer, welcher ihn an den obersten Pfarrer wies. Er ging aber nicht zu diesem, sondern erinnerte sich an einen, Namens S., welcher auf sein Verlangen aus unserer (Callenbergs) Anstalt Büchlein empfängt, um sie Juden lesen zu lassen oder sie ihnen zu schenken, den er vormals gesehen und als einen redlichen Christen kennen gelernt habe. Bei diesem sprach er ein und hielt sich bei ihm und anderen 4 Wochen auf und rühmte auch die Erbauung, die er dort gehabt habe, so daß er fest glaube, der gnädige Gott habe ihn dorthin gewiesen. Nicht wenig habe ihm im Glauben gestärkt, als er im Neuen Testament gelesen, daß der Messias auf einer Wolke kommen werde, denn er habe das zuvor nicht gewußt. Es seien auch Juden zu ihm nach Basel gekommen, die ihn abwendig machen wollten. Er habe ihnen aber bezeugt, wenn alle Juden selig würden, er verdammt werden müsse, wenn er zurückfiele und den wahren Messias verleugnete — und habe ihnen auch zum Nachdenken seine Ueberzeugung schriftlich zugestellt. Der Umgang mit einigen Sektirern in Basel sei ihm gesegnet gewesen; doch habe er es nicht fassen können, ob es wohl oder übel gcthan sei, sich von der Kirche zu sondern. Er schrieb von Basel aus einen Brief an seine Schwäger in Wangenheim, denen er seine Ueberzeugung entdeckte. Der Berichterstatter theilt dem Professor Callenberg ferner mit: »Ich rieth Hirschel nach Halle zu gehn und sich dort taufen zu lassen. Er wandte aber ein, daß er lieber bald die Taufe empfangen und sich öffentlich als einen Christen bekennen möchte.