Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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138 habe er etliche arme Kinder und zwei alte, arme Juden mit sich fortgenommen. Unweit Darmstadt habe er überlegt, welch ein schädliches Gift der Zorn sei. als womit Gott beleidigt und Seelen geschädigt würden. Wenn man ihn fürderhin schelte, wolle er nicht wieder schelten, sondern geduldig sein; sollte man ihm auch Schlüge geben, so wolle er es sich nicht anfcchten lassen. Indem er solches noch in seinem Gemüth überlegte, habe ein vorbeifahrendcr Bauer ihn mit seiner Geißel geschlagen, und da habe er cs sich auch nicht im Geringsten anfechten lassen, sonder» diesem seinem Widersacher eine Miene gemacht, als sei er sein bester Freund, so daß dieser um dcßwillen noch zorniger wurde. Für dieses Bcgegniß habe er Gott gedankt und ein recht freudiges Herz sowohl unter dem Empfahcn der Streiche als nachher gehabt. Einstmals unweit Fürth sei ihm eingefallen, es gehe ihm viel zu wohl und er möchte lieber ernstere Buße thun. Er habe daher Gott beweglich gebeten, er möge ihm Schmerzen an seinem Leibe zuschickcn. Solches sei auch geschehen, sein Herz sei aber hierbei ungemein vergnügt gewesen, darum, daß Gott sein Gebet erhört habe und seine Buße so gnädig annehme. Und ungeachtet zu diesen Schmerzen eine schmähliche Ausstoßung aus der Herberge gekommen, habe es seine Freudigkeit nicht vermindert. So sei er ein ganzes Jahr mit seinen armen Kindern umhcrgezogen und sei wegen seiner Lektionen, die er denselben zur Furcht und Liebe Gottes gegeben, nicht nur Juden, sondern auch Christen erbaulich gewesen. Endlich sei er auch nach Hause, die Seinen zu besuchen, gekommen. Da seien nicht nur seine Mittel aufgezehrt gewesen, sondern auch etliche Schulden gemacht worden. Und weil die Bußzeit fast abgelaufen, habe er sich entschlossen, wieder eine Handclschaft anzufangen, wozu ihm die Juden in Frankfurt alle» Beistand versprachen. Er ging dann wieder nach Frankfurt, wo ihm dann aber von den Rabbinen und anderen Juden empfohlen wurde, Kinder zu besorgen, die er in die Heimath mit sich nehmen könnte, und wurde ihm versprochen, ihn hierfür mit Geld zu unterstützen. In dieser Zeit erkrankte er zweimal, und zum dritten Male in Gelnhausen sehr heftig. Da dachte er, die Ursache davon möchte sein, daß er sich wieder in die Handelschaft eingelassen habe, und daß er von dem Dienste Gottes und der Buße abgchen