Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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136 welchen seine frommen Eltern gelebt und gestorben seien! Es sei doch nur so aus seinem eigenen Verstand und Gemüth diese seine Unruhe entstanden, und sei zu viel, daß er sich vermesse, Richter in einer so schweren Gewisseilssache zu sein. Bei so schmerzhafter Verwirrung in seinem Geiuüthe habe er zu dem Pfarrer gesagt, er sei in einer Sache bei ihm, die sein ewiges Heil betreffe, und müsse also für Alles rechten Grund haben. Er solle ihm daher die eine und andere Frage gründlich beantworten, unter denen auch diese war, ob Jesaias 52, 1 nicht auf die Inden ziele, so daß, wenn der Messias gekommen, kein Unbeschnittener in der heiligen Stadt Jerusalem regieren werde und zwar fortan. Diese und andere Fragen und Einwürfe wider die Gottheit des von den Christen bekannten Messias brachte er einzig in der Absicht vor, sich wieder von dem Pfarrer losmachcn zu können. Wie ihm der Pfarrer nun keine genügende Antwort geben konnte, sei er mit einer erschrecklichen Reue, daß er wolle von Gott und dem jüdischen Glauben abfallcn, wieder nach Hause gekehrt. Auf der Gasse seien viele Christen gestanden, die haben ihm verwehrt, heimzugehen, und ihm gesagt, die Jude» schlügen ihn todt. Er habe ihnen aber dagegen öffentlich erklärt, es geschehe ihm dann nur, was er verdiene. Als er zu seinem Weibe gekommen, habe er entsetzlich geklagt, Reue bezeigt und verlangt, sie solle ihm iu's Angesicht speien und alle Schinach und Schande anthun, -den» er habe den Glauben verleugnet. In seiner Familie und unter den Juden sei darüber ein entsetzliches Jammern und Weinen entstanden. Endlich haben ihm seine Freunde gcrathen, weil er ehemals ein Gelübde gcthan, drei Jahre hcrumzurcisen, so solle er sein Gelübde halten. Dazu habe er sich denn entschlossen und sich vorgcnommen, in diesen drei Jahren strenge Buße zu thu» und sich diese drei Jahre hindurch in die ilntersuchuNg von Glaubcnssachcn nimmermehr einzulassen. Er habe auch die Judenschaft aufgefordert, ihm nur alle Schmach anzuthun. Er sei zu dem Ortsbürgermeistcr gegangen und habe ihm sein Weib und Kinder mit dem Bedeuten empfohlen, er habe sich schwer in der Jugend versündigt und habe ihn Gott daher in Zweifel am Glauben sinken lassen, nun wolle er reisen und drei Jahre lang Buße thun.