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Dibre Emeth · 1883-01-01 · 9-10 (1883) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
39 (1883)
Issue
9-10 (1883)
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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134 Christen etwa einwenden könnten, bei sich aufgeworfen. Endlich sei er überzeugt worden, daß der Messias schon gekommen sei. In der Nacht habe er damals sein Lager in Atzcnberg gehabt in einem Bauernhause, wo er den Messias, der Jungfrau Sohn, welcher schon gekommen, das erste Mal angebctet habe. Den folgenden Tag habe er sich gefürchtet, sich an Gott dem Allmächtigen mit diesem Gebete schwer versündigt zu haben, und so habe er sich in einen Wald begeben, dort Gott sei» Anliegen mit Thräuen und großer Angst geklagt und sich auch in einem daselbst fließenden Wasser abgewaschen und gebadet. Allein unter allem Winseln, Seufzen und Schreien habe die innere Ucberzcugung allezeit das Uebergcwicht behalten, als sage Jemand zu seiner Seele: Du bist überwiesen, was willst du zweifeln? Er habe aber diesem Gedanken widerstanden, so stark er gekonnt, und endlich in folgender Weise überlegt: obwohl er bei Jedermann den Namen eines getreuen und frommen Juden habe, sei es doch besser, er setze sich einiger Schmach in dieser als in jener Welt aus. Er wolle daher sein Anliegen einem Rabbi offenbaren und seinen eigenen Verstand nicht als Führer gebrauchen, vielleicht wisse der Rabbi Wege und Drittel, ihm auszuhelfe», die ihm selbst jetzt nicht einfallen könnten. Er habe also einem Rabbi seine Zweifel offenbart, und dieser habe ihm, so gut er es gekonnt, die Stellen der Propheten erklärt. Weil er selbst aber schon weiter und besser als der Rabbi geübt war, habe der Letztere ihn wenig befriedigt, und die Angst blieb deshalb. In seiner Herzensnot sei er am hellen Tage auf den Todtenacker gegangen, habe sich auf das Grab seiner Eltern hingeworfcn, und denselben mit lautem Geschrei und Thräncn zugerufen: Wenn sie so viele Kraft hätten, sollten sie Gott für ihn bitten, daß er ihm doch seinen Willen offenbaren und zur Befolgung desselben Kraft geben wolle, damit er Gott keine Unehre, Schmach und Schande bereiten, selbst aber nicht verlorengehen möchte. Wenn er das erwünschte Licht in Gnaden von Gott bekomme, so wolle er auch gegen sie thun, was er könne. Daneben habe er beweglich zu Gott um Erbarmung, Hilfe und Licht gerufen. Darüber sei ihm in seiner Seele der Aufschluß geworden: Du machst dir selbst Schmerzen, du bist überzeugt, warum wirst du kein Christ?

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