Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 wo in seiner Seele mit starker Bewegung empfunden, inzwischen aber habe sich dieser Trieb und Bewegung wieder verloren. Nachher habe er bisweilen Christen getroffen, deren Wandel, Redlichkeit und Gottesfurcht ihm Wohlgefallen und Liebe in seinem Herzen erweckt habe. Wenn er von solchen hinweggegangen, habe er mit Thräncn bejammert, daß diese sollten verdammt werden, die doch gern de» Willen Gottes thun würden, wenn sie. ihn nur wüßten. Da habe er Gott gebeten, sie mit seinem Licht zu erleuchten, und ehe er solche verdammen sollte, wolle er selbst lieber alle Qual und Pein über sich ergehen lassen. Solcher Liebcötriebe wegen frommer Christen habe er oft und viel gehabt und manche Thränc aus Mitleid gegen sie vergossen. Zu einer Zeit aber sei ihm eingefallen: Du betest für Andere, die doch unterrichtet sind und glauben, sie irren nicht und seien auf dem rechten Wege zu Gott. Du selbst bist auch so unterrichtet und glaubst Recht zu habe». Wer weiß nun, welcher von beiden Theilen Recht hat? Darüber habe ihn solche Angst und Schmerz befallen, daß er sie kaum habe überstehen können, und dieselben seien ärger als der Tod gewesen. Denn es sei ihm cingckoinincn, er solle nicht zweifeln, nun aber zweifle er und werde gewiß verdammt. In dieser Angst habe er Gott de» Allmächtigen mit Thräncn angcrufen, er möchte doch diesen Jammer und Zweifel von seinem Herzen hinwegnehmen und ihm lieber andere Krankheit und Schmerzen zuschickeu. Da er nun in solcher Beklemmung im Walde vor Gott auf der Erde gelegen, habe er in seinen Gedanken diese Auskunft gefunden: Er zweifle zwar, doch weil er nichts Anderes als den Willen Gottes suche, so wolle er darauf bestehen, demselben nachzuforschen und denselben durch Gebet und besonders durch Lesen der Bibel zu erkunden. Dabei fiel ihm ein, daß die menschliche Natur gewohnt sei, die Schrift parteiisch auszulegen. Der Jude und der Christ pflegten sic nach ihrem vorgefaßten Urtheile zu erklären. Er faßte daher den Entschluß, er wolle nun, um hinter die Wahrheit zu kommen, sich neutral zwischen Beide stellen, als wenn er erst auf die Welt gekommen wäre, und Gott um Licht und Beistand bitten. Darauf habe er die Propheten in die Hand genommen und selbst allerhand Fragen und Antworten darüber, was Juden und