Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 9-10 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Gespött über seiner Mutter Traum habe auch aufgchört, und einige haben vermeint, der Traum seiner Mutter komme in Erfüllung. Seinem Weibe brach bei diesen Umständen auch das Herz, und sie gab ihm mit Thränen die Erlaubniß, sein Gelübde ausznführen. Er bemühte sich, seinem Weib und Kindern zu gut, seine Aktivschnldcn einzukassiercn. Da dies aber langsam ging, und er besorgte. Alles zu verbrauchen, verlegte er sich auf das Metzgen, weil gerade der Metzger des Ortes mit Tode abgegangcn war, und dies gelang ihm gut. Einstmals schnitt er sich beim Metzgen die Flechsen an den Händen ab, er aber war damit wohl zufrieden, weil er fest glaubte, es sei ein göttliches Verhängniß wegen seiner Widerspänstigkeit. Wegen dieser Wunde und der großen Schmerzen halber, die er lange zu erdulden hatte, konnte er aber sein Gelübde und Vorsatz lange nicht ausführen. Da starb Kaiser Karl VI., und der österreichische Erbfolgekrieg begann, wo Jedermann in Sorge gänzlicher Verarmung Deutschlands stand. Bei solchen Umständen fiel ihm ein, er könne Weib und Kinder unmöglich verlassen, und blieb solchergestalt zu Hanse bei seinem Handelsgeschäft. Inzwischen habe er eine starke Begierde zum Lesen der Bibel, besonders der Propheten bekommen, so daß er allemal, wenn er über Feld gereist, seine Bibel mitgenommen habe. Er habe sich öfters in's Feld gesetzt und mit großer Aufmerksamkeit und Andacht darin gelesen. Einmal sei ihm das 53. Kapitel Jesaia zur Hand gekommen, da habe er gedacht, es werde nach dessen Inhalt Einer kommen, welcher leiden werde, und dieser Leidende würde der Messias sein; ein jeder Jude hoffe, der Messias werde kommen, cs zeige sich aber Niemand, der leiden wolle. Dieser Gedanke habe ihn einstmals zwischen Reutlingen und Hciligen-Krcutzsaal so stark befallen, daß er zu Gott geseufzt, er möge doch di? Prophezeiung in Erfüllung komme» lassen, er habe sich auf die Erde nicdergeworfeu, die Hände nach dem Himmel ausgcstreckt und Gott gebeten, er solle ihm, der ohnehin ein Sünder und verdainmungswürdig sei, alle Pein zuschicken in Zeit und Ewigkeit, nur daß Andere errettet und Gottes Wille erfüllt werde. So, habe er gedacht, sollten alle Juden bitten, da denn Gott endlich Jemand auswählen und die Erfüllung durch ihn schaffen werde. Diesen Trieb habe er noch einige Mal auch anders-