Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 7-8 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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122 5. Juni 1835 auszuführen. In einem seiner VerzweiflungSanfülle eilte er zum Flusse, um sich selbst zu ersäufen. Da es ihm aber hiermit nicht gelang, nahm er er ein Rasirmesser, entrann seinen Wohnungsgenossen und lief auf das offene Feld; ehe man ihm wehren konnte, hatte er mit dem kalten Stahl seinen Hals durchschnitten. Gott aber, der reich an Erbarmen ist, lenkte die Mörderhand ab, daß die Halsader, obwohl der Hals selbst förmlich zerfleischt war, nicht getroffen wurde. Man brachte ihn sofort in das Allgemeine Hospital. Als er hier am nächsten Tage zu sich kam, bat er die Wärterin, einen christlichen Geistlichen holen zu lassen. Und so wurde dieser gottesvergessene Sünder, dieser Lästerer Jesu, auf einem Wege, den er selbst nicht wußte, dazu gebracht, die Gnade Gottes durch das alleinige Verdienst des einst verachteten und verworfenen Heilandes zu suchen. Als der Geistliche an das Bett des Kranken trat, erkannte er an den Zügen desselben sogleich einen Juden. Sein Gesichtsaussehen aber war verstört, wie von einem langen und tiefen inneren Kampfe; wie Verzweiflung lag es auf demselben, und das Blut floß noch aus dem Halse und benetzte das Bett — ein trauriges und schreckliches Schauspiel. Der Geistliche sprach ihm sein Mitleid darüber aus, daß er ihn in einem so bejaminernswerthen Zustande sähe, und daß er hoffe, seine Wunde werde keine köstliche sein. Dann frug er ihn, was ihn zu solchem Schritte veranlaßt habe, und vernahm nun so Manches aus seine» früheren Lebensumständen. Er erklärte, daß er cs fühle, er habe die ewige Verdammniß verdient, sei aber bereit, jede Strafe zu leiden, oder wenn es nöthig wäre, eine Wallfahrt, wohin man ihn auch sende, zu machen; kurz, Alles zu thun und zu leiden, wie hart und schmerzlich es auch sein möge, ja den Tod selbst, wenn er dadurch nur die Gnade des beleidigten Gottes wieder erlangen könne. Aus die Frage, warum er nach einem christlichen Geistlichen gesandt habe, da er sich doch zum Judenthum bekenne, antwortete er, er habe seit Jahren dem Glauben seiner Väter entsagt; in den Tagen seines unruhigen Lebens sei er wiederholt in christliche Kirchen eingetreten und habe dort von einem Heilande gehört, welcher von aller Sünde rein machen könne; jüngst habe er das