Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 7-8 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Zeit trat auch das Passahfest ein, welches die Freunde seines Vaters nach alter Weise beobachteten. Da er sich in seinem Gewissen elend fühlte, verließen ihn jetzt alle seine ungläubigen Grundsätze, und er gerieth auf den Gedanken, er müsse eine Versöhnung für seine früheren Sünden, die jetzt in ihrer ganzen Größe und Abscheulichkeit vor ihn traten, zu erlangen suchen. Deswegen ging er in das Haus eines Juden, um dort die acht Tage des Passah zuzubringen, indem er sich einbildete, daß er dadurch den Zorn des allmächtigen Rächers der Sünde stillen könnte. Er blieb dort die ganze Zeit, strafte sich selbst mit Enthaltung von Speise, schlief auf der harten Diele und kasteite sich auf mancherlei Weise. Ermahnungen, sich doch nicht selbst so zu martern, fruchteten nichts. Mitten in diesen Selbstpeinigungen erinnerte er sich jedoch der früher vernommenen und das Herz ansprechenden Beschreibungen des gekreuzigten Erlösers, die er in Kirchen von New-Jork und Jamaika gehört hatte. Vor sein Auge trat das Bild des auf Golgatha Blutenden, aber er wußte nicht, wie er von seinem Opfer einen Gewinn haben sollte. Aus allem, was um ihn und in ihm vvrging, war er jetzt allerdings fest überzeugt, daß es einen Gott gebe, und ebenso, daß ein so elender Sünder wie er durch das Gesetz desselben verdammt werde; aber er sah in Gott nur den erzürnten und richtenden Herrn und nicht auch den freundlichen und lieben Vater. Als die Tage des Passahs vorüber waren, während deren er viele Angst in seinem Herzen empfand, kehrte er in seine Wohnung zurück und fing das Neue Testament zu lesen an. Aber er gerieth jetzt unter jene falschen Propheten, die, obwohl sie den Namen Christi tragen, nicht zur Heerde Christi gehören. Dieselben verhöhnten ihn dafür, daß er sich so große Sorge um die Rettung seiner Seele mache, und sagten ihm, daß Religion einem so gottlosen Menschen, wie er sei, nichts helfen könne. Das machte auf ihn bei seinem gegenwärtigen Gemüthszustande einen so entsetzlichen Eindruck, daß es ihn zur Verzweiflung trieb. Er beschloß, ungerufen vor seinen Schöpfer zu treten und sein gerechtes Verdammungsurtheil anzunehmen, denn selbst die Hölle erschien ihm als ein Ort, wo er sich doch wenigstens verbergen könne. Diesen traurigen Entschluß versuchte er in der Nacht des