Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 7-8 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2554541-2554876-2554881--08046-2564067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 Reisen besuchte, in herzlicher Uebereinstimmung hinsichtlich der Zukunft des jüdischen Volkes; und bei einer andern Gelegenheit theilt er für die Leser seines Tagebuches eine Stelle ans Addison, der er von Herzen zustimmt, mit: »Ich glaube, daß derjenige, welcher Moses, die Propheten und Paulus mit einem nicht im Voraus eingenommenen Herzen liest, unmöglich anders kann, denn überzeugt werden, daß Juda und Israel noch eine Ernte vor sich haben. Gott kann sie wohl wieder einpfropfen; es ist bei ihm kein Ding unmöglich, und seine Hand ist ja nicht verkürzt. Israel wird das verfallene und laue Christenthum dereinst noch zur Buße und zum Nachcifern reizen müssen. Wie vielen Stellen des Alten und Neuen Testaments müssen wir nicht große Gewalt anthun, wenn wir sie anders verstehen wollen, als was das bloße Lesen und der Augenschein mit sich bringen und klar darstellen. Ich weiß nicht, woher es kommt, daß man eine Sache, welche Gott wohl ansteht, und ein Werk, das seiner so würdig und ihm so lieb ist, nämlich die Bekehrung einer Nation, so weit von ihm und seinem Worte entfernen will. Warum giebt man sich denn so sehr viele vergebliche Mühe, Stellen und ganze Kapitel der heiligen Schrift so zu erklären, daß Volk nicht Volk heißt, Jude nicht Jude, Bekehrung nicht Bekehrung, Erlösung nicht Erlösung, Kanaan nicht Kanaan, sondern wer weiß was für witzige, sinnreiche, weithergesuchte Erklärungen, Einwendungen, Verdrehungen und Verleugnungen vorbringt, welche in Wahrheit abgeschmackt, kindisch, der Ehre Gottes nachtheilig und der heiligen Schrift ganz entgegen sind.« So erhob Meuter vor den Juden und für sie seine Stimme. Er war der letzte unter den halleschen Missionaren, die mit wirklich geistiger Kraft ihr Werk ausrichteten; seine Nachfolger standen weit hinter ihm zurück. Der Bann des Rationalismus hat hernach auch den Geist im Jnstitutum gelähmt, wenn er gleich nie in dasselbe eingedrungen ist. Nach 11 Vs jährigem Missionsdienste nahm Meuter dann im Jahre 1775 das Amt eines Festungs- oder Gefängnißpredigers in dem Mecklenburg'schen Dömitz an. Hier blieb er aber nur bis zum Jahre 1780, wo er das Pfarramt in Lichtenhagen, einem Dorfe nahe bei Rostock, erhielt. In demselben Jahre hcirathete er Regina Ernestine Lau, Tochter des früheren Pastor Lau zu