Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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90 Chasaren und Falaschas. Aber Rsnan irrt, wenn er glaubt, daß die Juden der Donauländer und Südrußlandö viel nichtjüdisches Blut in ihren Adern tragen. Die Juden tartarischer Abstammung sind noch heute auf den ersten Blick zu erkennen und sind nur noch als ein spärlicher Rest vorhanden. Doch was ist damit gegen das Vorhandensein einer jüdischen Rasse bewiesen, daß in dieselbe auch Elemente aus andern Völkern hineingekommen sind? Vergleichen wir das jüdische Volk mit andern, so ist der Zusatz fremden Blutes in ihm durchaus noch nicht einmal so erheblich wie in vielen andern Völkern. Das eigene Volk Renans besteht aus einer Mischung altgallischer und germanischer Stämme, trägt es doch selbst von dem deutschen Stamme der Franken seinen Namen »Franzosen«. Und ist es nicht trotzdem ein in seiner ganzen Art durchaus vom deutschen Volke verschiedenes? Die bedeutende Menge des aufgenommenen germanischen Blutes hat so wenig die Eigenart des französischen Stammes verwischt, daß uns vielmehr die französische Stammesart sofort in die Augen fällt. Noch schärfer tritt uns diese Thatsache beim deutschen Volke entgegen, das von der Völkerwanderung an bis zum heutigen Tage fortwährend slavisches, französisches u. s. w. Blut in sich ausgenommen hat. Dieselbe Thatsache finden wir in Ungarn, Oesterreich u. s. w. wieder. Hier überall hat eine stärkere und längere Blutvermischung als bei den Juden stattgefunden, und doch hat die Eigenthümlichkeit eines Stammes sich dabei unerschütterlich behauptet, der die andern bezwang und die von anders hergenommenen Elemente in sich aufsog, so daß sie thatsächlich jenem herrschenden Stamme nur neue Säfte zuführten. Tag für Tag sehen wir diesen Prozeß in dem Völkergemisch von Nord- Amerika am Deutlichsten vor sich gehen, wo sich aus demselben immer wieder die eine nordamerikanische Rasse herausbildet. Und nun gesteht ja Renan selbst zu, daß etwa ein Jahrtausend hindurch der jüdische Stamm andere Elemente fast gar nicht mehr in sich ausgenommen hat. Wenn es also irgend eine Rasse in Europa giebt, die ganz besonders lange von fremder Vermischung fern geblieben ist, so wird die jüdische hier an vorderster Stelle stehn. Daß es innerhalb des jüdischen Stammes selbst Eigenthümlichkeiten giebt, ist eben so selbstverständlich, wie dies unter allen