Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Delitzsch. V. 3. Du wandelst Sterbliche zu Zermalmten! und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder! V. 5. Du schwemmst sie weg, Schlaf werden sie, am Morgen wie Gras wiedersprossend. V. 9. Denn alle unsere Tage sind geschwunden in deinem Grimm, wir haben verlebt unsere Jahre wie einen Lispellaut. V. 11. Wer erkennet deines Zornes Gewalt und der Furcht vor dir gemäß deinen Grimm? V. 12. Zu zählen unsere Tage lehre recht verstehn, daß wir gewinnen ein weises Herz. GM. V. 3. O vergilt den Sterblichen nicht zur Vernichtung, sprich vielmehr: Kehret um, ihr Menschensöhne. B. 5. Du hast uns gezürnt, die Jahre unseres Lebens, wie Grünkraut (?) wie vergängliches Gras. V. 9. Denn alle unsere Tage schwinden hin in deinem Unwillen, wir haben unsere Jahre verbracht wie Spinngewebe. V. 11. Wer kennt deines Zornes Macht? nur deine Verehrer beschwichtigen (?) deinen Unwillen. V. 12. Daß wir unsere Tage vollenden werden, so hat kund gethan ein Prophet weisen Herzens. Diese Probe wird genügen, um den Anspruch des Dr. Grätz zu ermessen, daß er das vorliegende Werk verfaßt habe, um die Psalmen in eine allgemein verständliche Sprache zu übersetzen, dem guten Geschmacke zu dienen, zum vollen Verständniß der Schrift zu verhelfen und die schleichende Krankheit der Zeit heilen zu helfen. Der Aerzte giebt es überhaupt genug, die alle Wunden der Zeit, und so auch die Wunde, welche »Feindschaft zwischen Juden und Nichtjuden« heißt, ohne den Einigen heilen wollen, welcher sich der Arzt der Kranken genannt hat. Immer aber muß man die Erfahrung machen, daß die Kunst jener Aerzte darin besteht, über die Schäden ein Pflaster zu breiten, das sie verdecken soll, und doch nur eben dies thut, nichts dagegen bessert und heilt. Der bekannte Franzose Renan hat sich, nachdem er die Welt von dem Glauben an Christum, den menschgewordenen Gottessohn heilen wollte, jetzt daran gemacht, das Uebel der Zwietracht zwischen den Juden und der übrigen Menschheit zu kuriren. Im. ersten Falle haben selbst sehr viele seiner Gesinnungsgenossen bekannt, daß er doch nur ein leichtfertiger Pfuscher sei, in dem neuen wird es ihm nicht besser gehn. Er hat in diesem Januar einen Vortrag gehalten, der jetzt eine Uebersetzung ins Deutsche erfahren hat, und der von Juden trotz aller Ausstellungen im Einzelnen außerordentlich gelobt wird.