Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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85_ Sünde, an der erdrückenden Last jener Blutschuld vom Charfreitag leidet, zu entrinnen. Israel mit seiner sprüchwörtlich gewordenen Todesangst, das friedloseste Volk der Erde, das Volk mit dem bebenden Herzen, von der fixen Idee des Mammonsdienstes verfolgt, wird endlich durch der Christen Sterbensfrendigkeit noch vollends besiegt werden. 3. Nicht mit den Antisemiten gilt cs also die Juden beseitigen, sondern ein edles Glied der Geisterwelt retten. Den höchsten Triumph göttlichen Erbarmens über das schwierigste Volk der Erde werden wir mitfeiern. Wir Christen sind dem Volk des alten Bundes allein überlegen, aber anch vollkommen überlegen, weil wir sein Geheimniß kennen. Die Welt hat hiervon keine Ahnung. Der Haß des Judenthums, so weit es sich eben als Judenthum behaupten will, richtet sich ganz natürlich darum zumeist auch gegen die Kirche; es weiß recht wohl unter allen geistigen Mächten dieser Zeit seinen Gegner. Gegen diesen richtet sich sein erbittertster Kampf mit der Ahnung der Erfolglosigkeit. (Offb. 3, 9. Römer 12, 33—36.) Die andere Frucht der Wiederbringung des edlen Weinberges Gottes ist eine Frucht zum Heile der Welt. Wie groß seine Naturgabe ist, sehen wir aus dem merkwürdigen Umstande, daß das ganze uns erhaltene Schriftthum dieses Volkes religiösen Inhalts ist. Und weiterhin finden wir kein Volk, bei welchem der Begriff der Nationalität eine so durchgreifende Bedeutung und solche Stärke gewonnen hat. Je größer aber der Mann, desto größer der Fall. Und wieder, wie groß muß die Liebe dessen sein, dem so viel vergeben werden wird wie Israel. Da wird es, wenn es sich wie Saulus bekehrt, auch ein auserwähltes Rüstzeug wie dieser werden. Der Gedanke, daß dieses Volk einmal wieder die Führerschaft im Reiche Gottes überkommen soll, ist aber auch ein Gottes nicht unwürdiger. Ein Erstgeborener ist im gewöhnlichen Leben ohne jedes eigene Verdienst. Im Reiche Gottes wird ja einst auch Überhcbung so wenig stattfinden auf der einen Seite, wie Neid und Eifersncht auf der anderen. Dazu wird kein anderes Volk der Erde eine so reiche Erfahrung aus seinem Pilgerlaufe durch alle Jahrhunderte und alle Länder der Erde zu diesem Aeltestenamte mitbringen; und wird doch auch bis dahin keine Nation eine so