Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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84 seinem Messias hart genug an jene unheilbare Sünde anstreift. Die Möglichkeit seiner Bekehrung ist schon vorausgesetzt in jenem Zuruf des HErrn: »Ihr werdet mich von jetzt an nicht mehr sehen, bis ihr sprechet: Gelobt sei, der da kommt im Namen des HErrn!» Der Heiland bittet ja auch noch für seine Mörder. Petrus redet die Juden an: »Nun, liebe Brüder, ich weiß, daß ihr es aus Unwissenheit gethan habt, wie auch eure Obersten«; Paulus schreibt an die Korinther: »daß die Obersten dieser Welt den HErrn der Herrlichkeit wohl nicht gekreuzigt haben würden, wenn sie die heimliche und verborgene Weisheit Gottes erkannt hätten«. 2. Das Erbarmen Gottes über Israel aber soll durch uns Christen offenbar werden. Er läßt jetzt die Juden ebenso ihre eigenen Wege gehen wie vorher die Heiden, damit beide erfahren, wie weit sie durch eigene Vernunft und Kraft kommen. Das Werkzeug aber, welches den Juden das Heil bringt, soll die Kirche sein, die sich aus uns früheren Heiden gebildet hat. Denn wie der HErr in der Weltgeschichte ein Volk als Zuchtruthe und Stab Wehe für ein anderes gebraucht, so noch viel lieber als Werkzeug seines Erbarmens, als Stab Sanft; denn er läßt gern jedem die Ehre und die Freude/ Engeldienste auszurichtcn und irgend jemand anderem Gehiilfe seiner Freude zu werden. Und hierdurch will der freundliche HErr gerade ein Liebesband von Herz zu Herz und von Volk zu Volk schlingen. Sind wir also zu diesem hohen Geschäfte von Gott bestimmt: wer kann uns das abnehmen, wer uns davon befreien? Und was hat die Christenheit bis jetzt in dieser Beziehung gethan? welch' ein Licht den Juden leuchten lassen? wie Charakter gezeigt, wie Liebe? Aber je mehr die Judenverfolgungen zunehmen werden, desto mehr wird Israel erfahren, welche unter den Christen die rechten sind und welche sich an keiner Verfolgung ihres Bruders betheiligen wollen. Diese werden ihnen auch das Christenthum am allermeisten Vorleben, ob sie die doch innerlich unglücklichsten unter den Menschen nicht durch stille und unermüdliche Liebe endlich mürbe machen, überwinden und für den HErrn gewinnen. Jetzt sucht Israel durch die dämonische Jagd nach dem Gelde in der wahrhaft krankhaften Geschäftshast, die ihm eigen ist, seinem inneren Weh, da es an nichts Anderem als an unvergebcncr