Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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75 geht. Viel schwerer trifft sie der Bann im gewöhnlichen und alltäglichen Leben, denn er zerreißt alle Beziehungen zwischen ihnen und ihren Volksgenossen. Jede Schuld wird nun oft mit größter Härte eingetrieben, und selbst die Kleider und Betten werden von den Gläubigern genommen. Doch gibt es allerdings auch gutmüthige Naturen unter den Juden, welche mit den Flüchtlingen milder verfahren. Manche der Anhänger der Mission werden aus diese Weise freilich eingeschüchtert. So erklärte ein Mann, der zuerst für das Betrete» des Missionshauses hatte eine Strafe bezahlen müssen, der dann aus der Synagoge geworfen und bei dieser Gelegenheit verwundet, zuletzt aber auf's Aeußerste bedroht worden war, den Missionaren, daß er wenigstens für einige Zeit sich von ihnen fernhalten müsse. Aber das Werk selbst ist durch alles dies nicht gestört worden. Fast jeder einzelne der Missionsanhänger wurde einmal vor die Rabbinen gefordert, aber verhältnißmäßig nur wenige ist es gelungen, dauernd den Missionaren zu entfremden. Der Direktor der Knabenschule der jüdischen Allianz forderte eine Anzahl der Flüchtlinge auf, zu ihm zu kommen; aber die lange Verhandlung, in welcher sie dazu bewogen werden sollten, ihre Kinder jener Schule zu übergeben, endete damit, daß die Flüchtlinge Antwort nach einer Woche versprachen, die alsdann dahin lautete: das könne nicht geschehen, ehe die Rabbinen den Missionaren nicht alles erstatteten, was dieselben an ihnen gethan hätten.. Damit war auch dieser Angriff abgeschlagen. Alle diese Prüfungen waren und sind jedoch den Missionspfleglingen in Jerusalem nöthig, und wahrscheinlich werden solche zunächst eher größer als geringer werden. Denn zwischen Judenthum und Christenthum können jene Leute nicht schweben bleiben, sondern es muß mit ihnen allgemach zu einer innern Entscheidung kommen. Juden zu bleiben der Religion nach und nur für das bürgerliche Leben sich unter die Leitung von Missionaren zu begeben, ist ein für die Dauer unhaltbarer Zustand. Als Uebergangsstufe hat er sein Recht, aber eben auch nur für eine Zwischenzeit. Soll etwas Haltbares zu Stande kommen, so muß es eine sichere, klare Grundlage geben, sonst bricht doch Alles zuletzt zusammen. Eine allmählige innere Lösung der Missionspfleglinge von