Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 39 (1883)
- Issue
- 5-6 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Den jungen Mann beseelte ein lebhafter Bildungstrieb. Deshalb las er in seiner freien Zeit viel und machte sich auch wohl Auszüge aus dem Gelesenen. Aber er verlangte nicht minder nach geistlicher Nahrung und fand sie bei dem reformirten Pfarrer G- D. Krummacher und dem lutherischen K. A. Döring. Beide übten einen bleibenden Einfluß auf ihn aus. Besonders Döring's Predigten drangen ihm tief in's Herz. Er konnte jetzt sagen, daß er die Perle des Himmelreichs gefunden und erworben habe. Nun wünschte er aber auch Andere an feinem Glücke theilnehmen zu lassen und eröffnete dies dem Pastor Döring, welcher dem Zwanzigjährigen vorschlug, Heidenmisfionar zu werden. Die Mutter wollte ihren Sohn nicht zurückhalten, und durch den Vorsitzenden der Elberfelder Missionsgesellschaft, Hermann Peltzer, wurde ihm die Aussicht eröffnet, in das Missionsscminar des Pastor Jänicke in Berlin eintreten zu können. Am 2. Juni 1817 wurde er dann in Elberfeld als Missionszögling angenommen und gelangte zu Fuß wandernd, von der Elberfelder Gesellschaft mit Reisegeld versehen, am 20. Juni in Berlin an. Im Seminar erhielt er zuerst den allgemein bildenden Unterricht, zu dem auch die englische Sprache gehörte; hernach kamen die alten Sprachen an die Reihe und später die theologischen Fächer. Unter dem Privatdocenten Tholuck lernte er Arabisch und erwarb sich auch einige medicinische Kenntnisse. An den Sonntagabenden besuchte er in dieser Zeit regelmäßig ein ihm von Jänicke empfohlenes armes, altes Ehepaar, dem er eine Predigt vorlas. Bald kamen auch andere Zuhörer hinzu, und schließlich war das ganze Zimmer gefüllt; ein freies Gebet, knieend gesprochen, schloß die Zusammenkünfte. Aber Blutspeien, das sich Becker bei der lebhaften Ausübung dieses kleinen Berufes zuzog, setzte den Predigtvorlesungen ein Ziel. Jänicke nahm auch an der Judenmission regen Antheil, und Becker wurde mit einigen Anderen, zu denen der noch lebende I. C. Hartmann in Breslau gehörte, für diese Mission bestimmt. Durch den englischen Gesandten in Berlin Rose erhielt er den Ruf der Londoner Judenmission, in ihre Dienste zu treten. 1820 folgte er demselben. Für seinen neuen Beruf bereitete er sich in London, Cambridge, Oakingham und Stansted vor, und einer seiner Lehrer bezeugte.